So wirst du ein guter Zuhörer

Der Sommer steht kurz bevor und somit vielleicht auch das ein oder andere Grilltreffen mit der lieben Familie. Das bedeutet auch: viele Gespräche und viel Zuhören, was durchaus anstrengend sein kann. Doch ein guter Zuhörer zu sein ist – wenn man sich an gewisse Punkte hält – nicht schwer und verbessert das Familienklima. Fünf Tipps für das richtige Zuhören in der Familie.

Gerade in der Familie ist Zuhören von großer Bedeutung. Über die Kommunikation zwischen den Generationen einer Familie hat Hören.at bereits berichtet. Man sollte dem Gegenüber stets möglichst aufmerksam und interessiert begegnen. „Es wird oft unterschätzt, wie wichtig es ist, dass Vater und Mutter den Kindern zuhören – und natürlich auch, dass die Kinder zuhören“, erläutert die Kinder-, Jugend- und Familienpsychologin Simone Breitenfeld.

„Hinhören“ und „Zuhören“ werden oftmals als ähnlich betrachtet, weisen aber einen großen Unterschied auf. Tatsächliches und aufmerksames Zuhören sei ein wesentlicher Bestandteil einer Eltern-Kind-Beziehung. Aber nicht nur bei (kleinen) Kindern im Haus ist die Kommunikation entscheidend: Jeder möchte gehört werden und sollte im Gegenzug auch selbst zuhören. Neben dem unaufmerksamen Zuhören, kann auch eine Schwerhörigkeit Beziehungen belasten. Denn: Woher soll man wissen, was jemand möchte und fühlt, wenn man nicht richtig zuhört oder nicht richtig zuhören kann?

 1. Auf das Ohr achten

Symbolisch gesehen gibt es vier Ohren, mit denen wir Menschen hören: Das Beziehungsohr konzentriert sich auf emotionale Inhalte und das Selbstoffenbarungsohr geht davon aus, dass der Sprechende etwas über seinen Gemütszustand erzählt. Das Appellohr hört Befehle und Wünsche. Das Sachohr widmet wiederum seine Aufmerksamkeit Fakten und logischen Zusammenhängen. Auch der, der spricht, hat diese vier Ebenen zur Verfügung. Wenn das Ohr vom Sprechenden und Hörenden nicht zusammenpassen, dann kann es leicht zu Missverständnissen kommen. Man sollte sich in der Familie bewusst werden, wie man Botschaften sendet und wie sie wahrgenommen werden.

 2. Aktives Zuhören

Das Konzept des aktiven Zuhörens wurde erstmals vom US-amerikanischen Psychologen Carl Rogers als Werkzeug für die Gesprächspsychotherapie beschrieben. Worum geht es? „Der Sinn der Sache ist, dass man widerspiegelt, was der Sprechende gerade gesagt hat und noch einmal in anderen Wörtern wiederholt“, so die Psychologin. Auf diese Weise könne man dem Gegenüber mitteilen, dass man ihn verstanden hat und über das Gesagte nachdenkt.

Zur Alltagstauglichkeit des Konzepts sagt Breitenfeld: „Wenn man sich dafür interessiert, ist aktives Zuhören etwas, das man in der Familie sehr gut einsetzen kann.“

3. In der Ruhe liegt die Kraft

„Geduld aufweisen, seine eigene Meinung zurückstellen, abwarten, dem anderen Platz geben und natürlich ausreden lassen sind wichtige Punkte, die einen guten Zuhörer ausmachen“, sagt die Expertin. Man sollte auf keinen Fall nervös werden, weil man selbst unbedingt etwas sagen möchte oder den anderen unterbrechen.

  • Durch aktives Zuhören zeigt man dem Gegenüber, dass man es verstanden hat.
  • Das aufmerksame Zuhören in der Familie ist ein sehr essenzielles Thema, da es Zusammenhalt gibt und das Familienklima fördert.
  • Geduld zu behalten und das Gegenüber ausreden zu lassen, ist enorm wichtig.

4. Wer? Wie? Wo?

Fragen zu stellen hilft einerseits, um sicherzustellen, dass man alles richtig verstanden hat, andererseits ermöglicht es dem Sprechenden aber auch weiterzudenken und andere Antworten zu finden. „Es ist allerdings wichtig, dass man Fragen zum Thema stellt und nicht vom Thema abweichende“, erläutert die Kinder-, Jugend- und Familienpsychologin. Durch das Stellen passender Fragen zeige man Interesse und Respekt gegenüber dem Sprechenden.

5. Authentisch sein

Zum Zuhören gehört nicht nur das, was gesagt wird, sondern auch die Körpersprache. Denn: Rund 60 Prozent der Kommunikation verlaufen nonverbal. Das Wichtigste beim Einsatz von Körpersprache sei, dass man sich authentisch verhält. „Wenn jemand normalerweise sehr ruhig und zurückgenommen ist, im Gespräch aber wild gestikuliert, dann hat man das Gefühl, dass derjenige einen nicht ernst nimmt. Wenn jemand, der in seiner Gestik sonst sehr offen ist, plötzlich ganz ruhig wird, dann fühlt man sich als Sprechender ebenso nicht wohl“, schildert die Psychologin.

Abschließend lässt sich folgendes festhalten: „Das aufmerksame Zuhören in der Familie ist ein ganz wichtiges Thema, da es Zusammenhalt gibt und das Familienklima fördert“.