Aus dem Alltag einer Hörgeräteakustikerin

Vielen ist der Beruf des Hörgeräteakustikers nicht bekannt. Für Menschen, die gerne Einfühlungsvermögen mit technischem und medizinischem Wissen verbinden, ist es aber genau die richtige Ausbildung. Was der Job immer vermittelt: das gute Gefühl, Menschen wieder ein Stück weiter in ihr soziales Leben zurückgebracht zu haben.

Wenn das Hörvermögen sinkt, wird es für Menschen immer schwieriger, am sozialen Leben teilzunehmen. Einsamkeit und Ausgrenzung sind die Folgen. Hörgeräteakustiker werden dann zu Rettern in der Not. Durch individuell angepasste Hörgeräte gliedern sie Menschen mit Hörminderung wieder in ihr soziales Leben ein.

„Diese Momente, in denen wir feststellen, dass Menschen durch uns wieder in den sozialen Kontakt zurückgeführt werden können, bestätigen mich, als Hörgeräteakustikerin immer weiterzumachen“, sagt Simone Koller. Sie kennt den Beruf von klein auf, denn schon als Kind durfte sie im Geschäft ihres Vaters hineinschnuppern. Mittlerweile ist sie seit 20 Jahren als Hörgeräteakustikerin im Neuroth-Fachinstitut in Dornbirn tätig. Die Ausbildung hat Simone Koller im zweiten Bildungsweg eingeschlagen – weil ihr der Kontakt zu Menschen besonders wichtig ist.

Beruf mit Abwechslung und Perspektive

In Österreich bieten das WIFI in Innsbruck und die Optometrie & Hörakustik Initiative (OHI) in Wien die 18-monatige Ausbildung mit Lehrabschluss an. Zusätzlich ist es möglich, die weiterführende Meisterausbildung zu absolvieren. Koller kann die Tätigkeit auch jungen Menschen ans Herz legen. „Es ist ein vielseitiger Beruf, der große Zukunftsmöglichkeiten bietet, weil die Menschen immer früher Hörminderungen erleiden“, sagt sie. Fast ein Fünftel der Bevölkerung leidet schon in einem geringen Ausmaß an Schwerhörigkeit.

  • Die Ausbildung zum Lehrberuf Hörgeräteakustiker kann in Innsbruck und Wien absolviert werden.
  • Simone Koller arbeitet seit 20 Jahren als Hörgeräteakustikerin in Dornbirn.
  • „Zu 80 Prozent ist es eine Arbeit, die sehr nahe am Menschen ist“, beschreibt Koller ihren Arbeitsalltag.

Individuelle Bedürfnisse stehen im Zentrum

„Es geht vor allem darum, dass wir Menschen, die zu uns kommen, gut betreuen und ihre Bedürfnisse erkennen“, beschreibt Koller ihren Arbeitsalltag. In der Hörkabine führt die Hörgeräteakustikerin Hörmessungen und eine medizinische Abklärung durch. Sie untersucht dabei unter anderem, ob der Mensch, der eine Hörlösung braucht, Allergien oder Krankheiten hat. Wichtig ist auch, mit Ärzten und der Familie regelmäßig Rücksprache zu halten. „Zu 80 Prozent ist es eine Arbeit, die sehr nahe am Menschen ist“, sagt Koller. Der Rest beinhalte vor allem medizinisches, psychoakustisches und technisches Wissen.

Letzterer Aspekt ist wichtig, handelt es sich bei modernen Hörgeräten doch um kleine Wunderwerke der Technik. Jedes Ohr ist individuell wie ein Fingerabdruck. Deshalb muss auch jedes Hörgerät exakt an die Ohren und Anforderungen der Kunden angepasst werden. „Mit Einfühlungsvermögen allein könnten wir die Leute nicht zufriedenstellend versorgen“, betont Koller. Auch technisches Know-how sei eine zentrale Voraussetzung für zukünftige Hörgeräteakustiker, die am Markt sehr gefragt sind.