Bin ich schwerhörig?

Wenn das Hörvermögen abnimmt, leidet auch die Lebensqualität. Maßnahmen gegen Schwerhörigkeit gibt es genug – sie muss allerdings zuerst erkannt werden.

Der Österreichische Schwerhörigenbund geht von circa 19 Prozent der Bevölkerung aus, die zumindest in einem geringen Maß an Schwerhörigkeit leidet. Die hohe Zahl verwundert nicht, denn im Gegensatz zu einem plötzlichen Hörverlust wird eine sich langsam entwickelnde Hörminderung oft nicht gleich erkannt. Erste Anzeichen für eine Hörminderung sind beispielsweise Probleme beim Verständnis von Gesprächen – insbesondere unter veränderten akustischen Bedingungen wie Hintergrundlärm oder gleichzeitigem Sprechen. Auch Hinweise von Mitmenschen können helfen: Ein sehr laut eingestellter Fernseher oder Probleme beim Telefonieren werden oft zuerst von anderen bemerkt.

Als einfachen Test für Laien zur Erkennung einer Hörstörung empfiehlt sich beispielsweise der Sprachabstandtest: Werden bei einer Entfernung von zwei Metern zum Gesprächspartner geflüsterte Zahlwörter nicht erkannt, ist das Vorliegen einer Schwerhörigkeit sehr wahrscheinlich.

Eine frühzeitige Behandlung ist vor allem wichtig, um weiter am sozialen Leben teilnehmen zu können

– HNO Arzt Univ. Prof. Dr. Christoph Reisser

Wann muss ich zum Arzt?

HNO-Arzt Univ. Prof. Dr. Christoph Reisser empfiehlt bei Verdacht einer Hörbeeinträchtigung den Gang zum Facharzt. Eine Hörminderung von 20 bis 30 Dezibel beeinträchtigt die meisten Patienten bereits in ihrem Alltag. Eine frühzeitige Behandlung sei vor allem wichtig, um weiter am sozialen Leben teilnehmen zu können und nicht von der Umwelt isoliert zu werden, meint der Fachmann. Um eine genaue Diagnose zu stellen, wird beim HNO-Spezialisten ein umfassender Hörtest durchgeführt. Wichtig ist dabei auch die Lokalisierung der Schwerhörigkeit – diese kann im äußeren Gehörgang, im Mittelohr oder im Innenohr liegen.

Und dann?

Die Diagnose der Schwerhörigkeit gibt auch die weitere Vorgehensweise vor. Die altersbedingte Schwerhörigkeit gilt als Schallempfindungsstörung und hat ihre Ursache meist im Innenohr. Behandelt wird diese Art der Schwerhörigkeit am häufigsten mit Hörgeräten. Nach der Diagnose bekommen die Patienten eine Überweisung zum Hörakustiker, der die Anpassung der Hörgeräte vornimmt. Nach der Auswahl des passenden Geräts überprüft der Facharzt den ausreichenden Verstärkungseffekt der Hörgeräte. Diese Bestätigung ist auch nötig, damit die Krankenkasse die anteiligen Kosten übernimmt.

Alternativen

Daneben gibt es auch implantierbare Hörgeräte, die für Menschen mit Innenohrverlust konzipiert wurden. Während das herkömmliche Hörgerät Schall aufnimmt und vor der Weitergabe an das Mittelohr verstärkt, wird bei einem Mittelohrimplantat der Schall im Mittelohr in Schwingungen umgewandelt und durch die Elektronik verstärkt. Bei einer Schwerhörigkeit im Mittelohr gelingt oft eine operative Behebung der vorliegenden Schallleitungsstörung. Ob und wann diese Alternativen möglich sind, ist abhängig von der individuellen Diagnose.

Wer jedenfalls das Gefühl hat, schlecht zu hören, muss sich nicht scheuen, einen Facharzt oder Hörakustiker aufzusuchen und sein Gehör testen zu lassen, bevor die Lebensqualität leidet. HNO-Spezialisten können einen Hörverlust schnell erkennen und mit dem Patienten passende Maßnahmen absprechen. Ein Hörverlust ist nicht nur eine gesundheitliche, sondern immer auch eine soziale Einschränkung, gegen die man aktiv etwas unternehmen kann.