Ruhelos: Das sind die lautesten Städte der Welt

In den weltweit 10 lautesten Städten sind Menschen täglich 70 bis 110 Dezibel ausgesetzt. Lärm als Teil des Lebens in den Großstädten – ein Überblick.

Zu laut? Vor allem in Städten gehören verschiedene Dauerlärmquellen zum akutischen Stadtbild. Dabei haben wir es hierzulande noch verhältnismäßig gut. Besonders in Indiens Metropolen nimmt die Lautstärke bedrohliche Ausmaße an. In den zehn lautesten Städten der Welt sind Menschen täglich zwischen 70 und 110 Dezibel ausgesetzt.

Straßenlärm, Sirenen, Musik, U-Bahn-Durchsagen, Baustellen, Stimmengwirr etc. – zusammen bildet das alles das typische Klangbild einer Großtstadt. Für hunderte Millionen Menschen ist das Alltag. An die meisten Fromen des Lärms haben sie sich schon so gewöhnt, dass sie ihn gar nicht mehr bewusst wahrnehmen.

Die lauten Straßen im Land der Farben

Mumbai, Kolkata oder Delhi sind schon lange an der Spitze der lautesten Städte der Welt. In den überbevölkerten Gebieten liegt der Lärmpegel weit über dem gesundheitlichen Höchstmaß. Nach einer Studie der WHO bildet Lärm gar das zweitgrößte Gesundheitsrisiko. Geht man nach ihren Richtlinien, liegt eine gesunde Beschallung zwischen 30 und 55 Dezibel. Eine dauerhafte Beschallung darüber kann zu Gehörverlust, Herz- Kreislaufproblemen, Stress und Depressionen führen.

Wer es lieber ruhig hat, sollte diese Städte meiden:

shutterstock_4619681621. Mumbai, Indien: 85–100 dB. Tausende LKW, Autos, Taxis und Motorrikschas hupen lautstark und teilen sich in die Straßen der Megacity Mumbai mit Radfahrern und oft auch Fußgängern. Dementsprechend laut unterhalten sich die Menschen, deren Gespräche sich gemeinsam mit den Ausrufen von Marktschreiern zu einem wahrlich ohrenbetäubenden Lärm zusammenbrauen können.

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2. Kolkata, Indien: 80-100 dB. In Kolkata bilden Knallkörper die Lärmquelle Nummer eins. Die werden dort leidenschaftlich gerne geschossen und zwar rund um die Uhr. Stellenweise kann man an die 109 Dezibel messen. Zur Lärmentwicklung tragen außerdem die zahlreichen Fabriken dieser Stadt bei.

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3. Kairo, Ägypten: 70-90 dB. Mit 6,76 Million Einwohnern in der Hauptstadt und weiteren 10 Millionen in den Vororten ist es kein Wunder, dass es in Kairo laut zugeht. Nacht einer Studie des Egyptian National Research Centers fällt der Lärmpegel durch den massenhaften Verkehr auch nachts nie unter 70 Dezibel.

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4. Delhi, Indien: 70-90 dB. Wer hupt, hat Vorrang – so lautet das ungeschriebene Gesetz auf den meisten Straßen Dehlis. Ausgenommen davon scheinen nur die Kühe zu sein, die zum alltäglichen Straßenbild der Stadt gehören. In Dehli musste wegen der Vielzahl an Hörgeschädigten sogar ein Projekt mit Elektrotaxis aufgegeben werden. Die Elektorautos waren so leise, dass sie häufig von Fußgängern überhört und diese dadurch beim Überqueren der Straße von ihnen erfasst wurden.

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5. Tokio, Japan: 70+ dB. Die häufigen öffentlichen Lautsprecheransagen sorgen für großflächige Lärmbelästigung der Bevölkerung. Hinzu kommen die scheinbar niemals endenwollenden Bauarbeiten in der Metropole, die bis zu 120 Dezibel erreichen können.

shutterstock_2976099266. Madrid, Spanien: 70+ dB. Mit Madrid hat es auch Europa unter die Top 10 geschafft. Hupen, Geplauder, bei offenem Fenster laufende Fernseher, Hunderte Shops und zur Straße offene Bars machen einen Spaziergang durch Spaniens Hauptstadt zu einem lebhaft-lauten Erlebnis.

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7. New York City, USA: 60-90 dB. Downtown mischen sich die Geräusche von den Taxis, Clubs und Bars in der „Stadt, die niemals schläft“ durchschnittlich zu einem Gebrause von 80 Dezibel zusammen. Am Times Square werden nicht selten 90 Dezibel gemessen.

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8. Buenos Aires, Argentinien: 70–80 dB. Viel Beton und viele Menschen – an lauten Tagen können auch hier bis zu 100 Dezibel erreicht werden. Denn es gibt kaum Grünflächen, die den Schall verteilen oder dämmen könnten.

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9. Shanghai, China: 66–80 dB. Besonders der sogenannte Lärm des Soziallebens führt jährlich zu über 100.000 Beschwerden. Darunter fallen die Lautsprecher, die außen an Geschäften montiert die Gassen beschallen, genauso wie bellende Hunde oder Tanzvorführungen und Karaoke auf offener Straße.

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10. Karachi, Pakistan: 60–85 dB: Wieder ist es der Verkehr. Er versorgt auch die größte Stadt Pakistans mit Radau. Kein Wunder bei fünf Millionen Fahrzeugen. Angeblich leider 83 Prozent der Straßenpolizisten und 57 Prozent der Verkaufsleute an Hörschäden.

Dem Krawall den Kampf angesagt

In Ländern wie Österreich und Deutschland versucht man vor allem präventiv zu agieren. Michael Jäcker-Cüppers, stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Akustik (DEGA), setzt sich schon seit geraumer Zeit mit „Lärmschutz im Städtebau“ auseinander und unterrichtet das Fach an der TU Berlin: „Vorrangig ist die Verlagerung auf alternative Verkehrsmittel und die Maßnahmen an der Quelle, etwa auf leise Fahrzeuge oder Reifen, lärmarme Straßenbeläge und Geschwindigkeitsgrenzen zu setzen.“ Lärmschutzwände oder Abstandsvergrößerungen sorgen für unmittelbare Reduktion am Immissionsort. Schallschutzfenster bieten eine Notlösung für daheim.

Europaweit versucht man die Lärmentwicklung durch sogenannte Lärmaktionspläne einzudämmen. Jäcker-Cüppers nennt die deutsche Stadt Norderstedt als Positivbeispiel: „Hier fand die Entwicklung von Schutzkonzepten zusammen mit den BürgerInnen statt.“ Auch von der Schweizer Verkehrspolitik kann man sich inspirieren lassen. So habe Basel „mit 18 Prozent der Wege den niedrigsten Anteil am motorisierten Individualverkehr in europäischen Städten“.

Die eigene Ruhe finden

Jäcker-Cüppers ruft außerdem zur aktiven Beteiligung auf: „Durch den Verzicht auf Autos, das Einhalten von Geschwindigkeitsgrenzen oder den Kauf leiser Geräte können wir selbst einen großen Beitrag zur Ruhe leisten.“

Auf dem Portal laerminfo.at kann man den Lärmpegel in der eigenen Umgebung selbst berechnen. Ein Beispiel könnten sich viele Städte in puncto Lärm an Yinchuan nehmen: In der chinesischen Stadt kommt es trotz 1,99 Millionen Einwohnern nur zu durchschnittlich 50 Dezibel.