Ein gutes Gehör erhöht die Lebensqualität im Alter

In jeder Lebensphase ändern sich Bedürfnisse, Wünsche und Herausforderungen und mit zunehmendem Alter werden die Wehwehchen oft mehr und das gesundheitliche Wohlbefinden nicht mehr als selbstverständlich betrachtet. Ein gutes Gehör spielt dabei eine entscheidende Rolle.

Gesundheit ist der zentrale Faktor für Lebensqualität im Alter, das belegt auch eine kürzlich erschienene Studie. Die Untersuchung brachte auch hervor, wie wichtig es ist, auf die individuellen Bedürfnisse der Menschen einzugehen. Ein schlechtes Gehör wirkt sich dabei auf zahlreiche Situationen negativ aus, sei es bei Untersuchungen und Klinikaufenthalten oder bei der Pflege von Kontakten zu Familie, Freunden und Bekannten.

Schwerhörige Menschen sind schnell verunsichert

„Zu Hause schaffen ältere Menschen es oft gut zurechtzukommen, weil sie die Strukturen kennen und sich damit arrangiert haben, dass sie schlechter hören. Aber gerade bei einem Lagewechsel fällt es sehr stark auf, wenn jemand schlecht hört. Im Klinikalltag gehen die Abläufe sehr rasch. Wenn Patienten gar nicht hören, was mit ihnen gemacht wird und was auf sie zukommt, ist es für sie schwierig, im Alltag zurecht zu kommen“, beschreibt die Logopädin Madlen Lutnik von der Geriatrie des Klinikums Klagenfurt, womit ältere Menschen, die unter einer Hörschwäche leiden, zu kämpfen haben.

„Die Patienten sagen auch oft nicht, wenn sie etwas nicht verstanden haben. Dass sie eigentlich schlecht hören, fällt dann gar nicht auf. Oft resignieren die Menschen dann, lachen darüber und tun die Schwerhörigkeit ab. Verunsichert sind sie aber schon, das sieht man oft an ihrer Mimik. Aber da muss man sich auch die Zeit nehmen, entsprechend zu deuten, dass die Leute etwas nicht verstanden haben“, erklärt sie weiter. Gerade im Gespräch mit Ärzten komme es dadurch immer wieder zu Missverständnissen, da komplexe Vorgänge nicht verstanden werden: „Häufig wird gar nicht gefragt, ob sie akustisch etwas verstanden haben, sondern man denkt, dass sie den Gesprächsinhalt nicht wirklich erfassen. Dabei haben sie es einfach nur nicht gehört.“

Ein Problem, das Lutnik beobachtet, ist der oftmalige Verzicht auf Hörgeräte oder die mangelnde Bereitschaft, sie zu tragen. Mit Sprüchen wie „ich will eh nix hören“ oder „es ist besser, wenn Ruhe ist“ wird die Hörhilfe dann ins Nachtkästchen verbannt.

  • Bei einem Ortswechsel sollte man ältere Menschen besonders betreuen.
  • Wer gut hört, sucht häufiger die Gesellschaft anderer.
  • Auch das Smartphone wird bei der älteren Generation immer beliebter.

Wenn Familienfeiern zur Herausforderung werden

Häufig stellt sich die Schwerhörigkeit erst heraus, nachdem Familie und Bekannte schon eine ganze Weile mit Kommunikationsproblemen zu kämpfen hatten. Nicht nur bei großen Familienfesten, bei denen die Umgebungsgeräusche selbst mit Hörgeräten zur Herausforderung werden können, ist das ein Problem. Auch der Austausch mit dem Partner wird für beide zur Zerreißprobe, wenn die Hörfähigkeit abnimmt. Wer schlecht hört, tendiert stärker dazu, sich von den Mitmenschen zu isolieren und keine neuen Kontakte mehr zu knüpfen.

„Das kommt natürlich auch drauf an, wie aktiv man am Leben teilnimmt und wie das soziale Umfeld ist. Diejenigen, die im Alltag weniger aktiv sind, stört die Schwerhörigkeit nicht so“, sagt Lutnik. „Die Leute, die ihr Hörgeräte richtig verwenden, pflegen viel mehr Kontakte. Sie gehen viel öfter raus, bleiben nicht nur im Zimmer, sondern treffen sich auch mit anderen. Kontakte zu pflegen und sich miteinander zu beschäftigen, zum Beispiel beim Kartenspielen, ist dann sehr wichtig “ erklärt sie weiter. Wichtigste Voraussetzung ist, dass die Hörgeräte richtig eingestellt sind.

Soziale Netzwerke sind auch im höheren Alter beliebt

Neben den persönlichen Begegnungen zählt Madlen Lutnik auch das Telefonieren zu einem wichtigen sozialen Faktor. Neuerdings nimmt auch die Internetnutzung stark zu, gerade bei „jüngeren“ Älteren. Das werde auch in Zukunft zunehmend eine Möglichkeit sein Kontakte zu pflegen, ist Lutnik überzeugt. Immer mehr Menschen im höheren Alter nutzen auch soziale Netzwerke wie „Facebook“ und Messenger-Dienste wie „Whatsapp“ regelmäßig, um sich auszutauschen. Dort können Bilder verschickt werden, die Kommunikation ist unmittelbar und sie haben direkt an den Erlebnissen von Familie und Freunden teil.