Ein hörenswerter Herzschlag für die Welt

Mit 2.700 Athleten aus 105 Nationen sind die „Special Olympics“ die weltweit größte Veranstaltung für Menschen mit mentaler Beeinträchtigung. Im Zuge der „World Winter Games 2017“ in der Steiermark kam auch die Gesundheitsvorsorge nicht zu kurz.

„Ich höre gut“, ruft Lea stolz durch den Saal und winkt Anna zu. Noch immer freut sich die junge rot-weiß-rote Special-Olympics-Athletin, die das Down-Syndrom hat, darüber, dass ihre Ohren in Ordnung sind. Auch Stunden danach – nachdem sie die „Gesundheitsstraße“ im Zuge der Special Olympics absolviert hat.

Dieser ehrliche Moment der Freude, diese herzliche Begegnung mit Lea, wird Anna Schwingshackl lange in Erinnerung bleiben – neben vielen anderen. Sie ist eine der Koordinatorinnen des „Healthy Athletes“-Programms und speziell für den Bereich Hören zuständig. Und Lea ist eine der rund 2.700 Starter aus 105 Nationen, die in der Vorwoche in Graz, Schladming und Ramsau in neun Sportarten unter dem Motto „Herzschlag für die Welt“ um Medaillen gekämpft haben.

Größtes Gesundheitsprogramm der Welt 

Im Zuge des „Healthy Athletes“-Programms bekamen alle Athleten bereits zum 20. Mal die Chance, sich von den Augen bis zu den Füßen umfassenden kostenlosen Gesundheitschecks zu unterziehen – für viele der Athleten aufgrund der Gesundheitsversorgung in ihren Heimatländern keine Selbstverständlichkeit. Es handelt sich um das weltweit größte Gesundheitsprogramm für Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen.

Von der Anamnese über die Otoskopie bis zur audiologischen Diagnostik, wurde dabei im Zuge der „World Winter Games 2017″ auch das Gehör genau untersucht. „Für die Athleten und ihre Betreuer ist es sehr wichtig, über ihre eigenen Defizite aufgeklärt zu werden – vor allem, um zu wissen, wie sie damit umgehen können. Schließlich macht es einen Unterschied, ob jemand nicht hören will oder tatsächlich nicht hören kann“, sagt Schwingshackl, die im Auftrag des Logopädie-Instituts der FH JOANNEUM für die Special Olympics als Clinical Director im Einsatz war.

  • Jeder Athlet der Special Olympics wurde im Zuge von "Healthy Hearing" einem Hörscreening unterzogen
  • Anna Schwingshackl, Clinical Director von "Healthy Hearing"
  • Mehrere HNO-Ärzte aus der Steiermark und anderen Teilen Europas stellten sich als Volunteers zur Verfügung

Rund 40 Freiwillige pro Tag im Einsatz

Der Messecongress Graz wurde kurzerhand für eine Woche zum Gesundheitszentrum umfunktioniert, in dem rund eineinhalb Jahre Vorbereitungszeit stecken. Pro Tag waren beim „Healthy Hearing“-Programm bis zu 40 Freiwillige im Einsatz – ein Experten-Team aus HNO-Ärzten, Logopädie-Studierenden, Logopädinnen, Hörgeräteakustikern und weiteren Volunteers aus aller Welt. „Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut. Und schon an den ersten beiden Tagen waren rund 500 Athleten da“, freut sich Schwingshackl.

Vor allem im Sport ist ein gutes Gehör unerlässlich. „Die Verhaltensweise verändert sich einfach, wenn man schlecht hört. Hören und Kognition hängen eng zusammen: Was der Athlet nicht hört, kann er auch nicht verstehen – und dann natürlich auch nicht umsetzen“, sagt Schwingshackl. Umso wichtiger ist die richtige Vorsorge, denn ein schlechtes Gehör ist nicht sichtbar. „Deshalb ist Healthy Athletes ein sehr wertvolles Programm“, sagt Schwingshackl.

Genauso wertvoll, wie die Winterspiele selbst: „Da können die Athleten zeigen, was in ihnen steckt. Und es ist schön zu sehen, mit welcher Begeisterung sie beim Sport dabei sind. Sie bekommen Bestätigung und Anerkennung.“ Weil nicht die Beeinträchtigung im Mittelpunkt steht, sondern der Mensch selbst.

Dieser Artikel wurde verfasst von Thomas Huber