Wie klingt die Arbeit eines Gärtners?

Auch wer das Gras nicht wachsen hört, kann im Garten besonders im Frühling eine einzigartige Klangkulisse genießen. Die Arbeit an der frischen Luft hat einen positiven Effekt auf unsere Lebensqualität und Gesundheit und nicht zuletzt durch die sinnliche Wahrnehmung von Gerüchen und Klängen eine ausgleichende Wirkung auf unsere Psyche.

„Ein Garten entsteht nicht dadurch, dass man im Schatten sitzt“, sagte der britische Schriftsteller Josef Rudyard Kipling. Es erfordert mitunter schweißtreibende Arbeit und Geduld, um sich der nach eigenem Geschmack kultivierten Natur erfreuen zu können. Ja, besonders im Frühling ist im Garten Hochbetrieb – nicht nur der Gärtner, auch die Gartenmitbewohner arbeiten, was das Zeug hält.

Diese Klangkulisse ist Arbeitsalltag für Otto Holzknecht (49). Der Gärtner arbeitet im Hotel Vier Jahreszeiten in Schlanders (Südtirol). Langeweile kennt er nicht, denn hier gibt es immer jede Menge zu tun. Besonders jetzt, im Frühling. Der Gärtner hat ständig zu zupfen und zu jäten, zu kehren, zu rechen, zu schneiden und mähen. Die Arbeit erfüllt und belohnt ihn, wenn sie wortwörtlich Blüten treibt und Früchte trägt. Aber nicht nur die Augen, sondern auch die Nase und die Ohren zeigen sich beim Gärtnern erkenntlich.

Was hören Sie bei Ihrer Arbeit besonders gerne?
Otto Holzknecht: Mir macht meine Arbeit eine riesige Freude, sonst wäre ich nicht schon so lange als Gärtner tätig. Gerade jetzt im Frühling, wenn alles sprießt und wächst, gibt es viel zu tun. Da höre ich sehr gerne die Natur um mich herum – und natürlich auch gerne Lob für meine getane Arbeit.

Was ist Ihr Lieblingsgeräusch im Garten?
Holzknecht: Darüber habe ich eigentlich noch nie nachgedacht. Geräusche gibt es einige, die mir beim Arbeiten im Freien Freude bereiten: das Summen der Bienen, das Plätschern des Wassers aus dem Gartenschlauch und allem voran das Zwitschern der Vögel, weil es mich beruhigt und mich einfach irgendwie fröhlich macht.

Welches Geräusch empfinden Sie als unangenehm beim Gärtnern?
Holzknecht: Eindeutig, wenn das Telefon klingelt (lacht). Das zerstört natürlich die Ruhe, die man beim Arbeiten draußen sonst genießt. Und ich höre es nicht so gerne, wenn ein richtig starker Sturm aufkommt. Da habe ich nachher viel Aufräumarbeit zu leisten, wenn Zweige abbrechen oder Blätter herumgewirbelt werden oder gar ein Tontopf irgendwo umfällt und in Tausende Scherben zerspringt.

  • Gärtner aus Leidenschaft: Otto Holzknecht genießt seinen Arbeitsalltag in der Natur.
  • Blühendes Insektentreiben, plätscherndes Wasser und singende Vögel entlohnen den, der im Frühling mit offenen Ohren durch die Natur geht.
  • Gut getarnt: Wer den kleinen Frosch nicht hört, nimmt ihn kaum wahr.

Bei welchem Geräusch wissen Sie, dass Sie richtig gute Arbeit geleistet haben?
Holzknecht: Die Pflanzen kann ich beim Wachsen ja leider nicht hören (lacht). Ich sehe eher, wenn etwas schön anwächst und bunt blüht. Doch bei einem Lob von meiner Chefin oder wenn Hotelgäste die Blumen und Pflanzen mit „Oh’s!“ und „Ah’s!“ bestaunen, bestätigt mich das darin, meine Arbeit gut gemacht zu haben.

Klingt Ihr Arbeitsplatz im Laufe der Jahreszeiten unterschiedlich?
Holzknecht: Ja, definitiv. Im Winter ist es viel leiser um mich herum als im Frühling oder Sommer. Mir fällt gerade gar nicht ein, was ich von November bis Dezember beim Arbeiten höre, außer meine Schritte auf der nassen, matschigen Erde oder im Schnee. Im Herbst höre ich vor allem den Rechen beim Zusammenrechen des heruntergefallenen Laubes und das Wischen des Besens auf den Steinplatten der Terrasse. Im Sommer das laute Rasenmähen, das Knacken der Äste, wenn ich die Hecken mit der Gärtnerschere zurechtstutze, das Bewässern und das Ausrupfen des Unkrautes. Tja, und jetzt im Frühling ist es eigentlich am vielfältigsten: summende und herumschwirrende Insekten aller Art und singende Vögel.

Summen oder singen Sie während des Gärtnerns auch ab und zu?
Holzknecht: Meistens pfeife ich nur irgendetwas vor mich her. Manchmal versuche ich mit den Vögeln zu pfeifen, meistens aber wahllos irgendwelche Töne (lacht).