Von kleinen Ohren und großen Gefahren

Auch wenn Kindern Lärm oft Spaß macht, kann er ihnen nachhaltigen Schaden zufügen. Wie man die Ohren seiner Kinder am besten schützen kann.

Wer kennt es nicht: Kaum sind Kinder groß genug, um zu krabbeln, wird der Küchenkasten leer geräumt. Und voilà: Die erste musikalische Einlage mit einem Schlagzeug aus Kochtöpfen der kleinen Stars folgt. Kinder scheinen Lärm geradezu zu genießen. Sie erzeugen ihn nicht nur gerne selbst, sondern er scheint sie auch nie wirklich zu stören. Dennoch kann Lärm Kinder außerordentlich beeinträchtigen, denn bereits bei Neugeborenen sind alle Nervenzellen im Innenohr voll ausgebildet und müssen daher entsprechend geschützt werden, erklärt HNO-Arzt Dr. Günther Klampfer.

Bereits bei Neugeborenen sind alle Nervenzellen im Innenohr voll ausgebildet

– HNO-Arzt Dr. Günther Klampfer

Kinder leiden ebenso wie Erwachsene unter ständigem Lärm. In einer Studie, die im Umfeld des Münchner Flughafens durchgeführt wurde, konnten bei Kindern Schlafstörungen und Blutdruckerhöhung und eine vermehrte Ausscheidung von Stresshormonen als Lärmfolgen nachgewiesen werden.

Lauter Lärm und Hörverluste

Unser Gehör ist immer aktiv und empfangsbereit, auch wenn wir schlafen. Sehr „lauter Lärm“ – selbst wenn er nur kurz andauert – kann die Flimmerhärchen in den Ohren dauerhaft zerstören und zu Problemen mit dem Hörvermögen führen. Bei Untersuchungen im Zuge der Einschulung, also im Alter zwischen fünf und sechs Jahren, weisen bereits fünf Prozent der Kinder Hörverluste auf. Eine Statistik des deutschen Schwerhörigenbundes zeigt außerdem, dass bereits 19 Prozent der über 14-Jährigen an Schwerhörigkeit leiden.

Kurzer Lärm – gefährlicher Lärm

Abgesehen von Dauerlärm sind kurze, laute Knallgeräusche besonders gefährlich für Kinderohren. Hält das laute Geräusch nur kurz an, wird seine Lautstärke nämlich als nicht so stark empfunden. Trotzdem genügt ein einziger lauter Knall, etwa von einer direkt am Ohr abgefeuerten Spielzeugpistole, um das Gehör dauerhaft zu schädigen. Leider ist auch manches sogenanntes Kinderspielzeug schlicht zu laut. In einem Test waren einige Spielzeuge, direkt ans Ohr gehalten, lauter als ein Düsenjet in 15 Metern Entfernung. Der Spitzenreiter erreichte sogar 133 Dezibel.

Auch „leiser“ Lärm schadet den Ohren

Vor allem für Stadtbewohner gehört eine ständige Lärmkulisse zum Alltag. Die verkehrsreiche Straße, eine nahe gelegene Baustelle, tief fliegende Flugzeuge und auch Stereoanlage oder Fernseher – all das sind Lärmquellen, die im Hintergrund für eine konstante Geräuschkulisse sorgen. Eine solche Dauerbeschallung, der wir uns nur sehr schwer entziehen können, ist zwar grundsätzlich kein Problem für das Gehör, kann aber bei Kindern zu Stress führen. Schon bei einer Dauerbelastung von 30 bis 40 Dezibel können Kopfschmerzen oder Herz-Kreislauf-Probleme auftreten, die Schlafqualität leidet und die Konzentration wird beeinträchtigt.

Tipps: Wie man Kinderohren schützen kann

  1. Versuchen Sie im Alltag für „Stille-Inseln“ zu sorgen, lassen Sie Musik oder den Fernseher nicht im Hintergrund laufen.
  2. Hören Sie sich mit Ihrem Kind bewusst Musik oder ein Hörspiel an und schalten Sie danach wieder aus.
  3. Bauen sie Hörbücher oder Musik in das tägliche Abendritual ein, lassen Sie Ihr Kind aber ohne Beschallung einschlafen.
  4. Prüfen Sie Spielzeug, das Geräusche erzeugt, vor dem Kauf. Achten Sie insbesondere darauf, dass Knackfrosch, Quietscheentchen & Co. auch wirklich als Spielzeug zugelassen sind. Handelt es sich nämlich nur um einen Scherzartikel, braucht dieser nicht die Geräuschnormen für Kinder (nicht lauter als 125 Dezibel im Abstand von 50 Zentimetern) einzuhalten.
  5. Halten Sie sich das Spielzeug probehalber selbst direkt ans Ohr. Wenn es Ihnen schon unangenehm laut ist, eignet es sich garantiert nicht für Ihr Kind! Weil Kinder ihr Spielzeug gerne mal direkt ans Ohr halten, kann selbst ein Produkt, das die Normen einhält, trotzdem zu laut für Kinderohren sein.
  6. Bei Geräten mit Kopfhörern wie Handys oder MP3-Playern gilt: Bevorzugen Sie Abspielgeräte mit Lautstärkenbegrenzung wie etwa den „Ear Guard“-Schalter oder AVLS (Automatic Volume Limiter System). Aber Achtung: Besonders leistungsfähige Kopfhörer können trotzdem mehr Lautstärke als vorgesehen liefern.
  7. Falls Lärmbelastung unumgänglich sein sollte, sei es beispielsweise beim Musikunterricht oder, weil die Kleinen bei der Renovierung der Wohnung unbedingt mithelfen wollen, bietet der Fachhandel mit einem breiten Sortiment von individuell angepasstem In-Ear-Gehörschutz über Bügel-Ohrschützer Abhilfe.