Was kostet Schwerhörigkeit?

Laut WHO-Schätzung verursacht unbehandelte Schwerhörigkeit jährliche volkswirtschaftliche Kosten von 641 Milliarden Euro.

Die Auswirkungen von Schwerhörigkeit beschränken sich nicht nur auf den Gehörsinn und auf die Lebensqualität der Betroffenen. Nein, sie schlagen sich auch in beträchtlichen gesellschaftlichen Kosten nieder. Denn insbesondere durch fehlende Behandlung von Schwerhörigkeit verzichten wir auf deren Leistungsfähigkeit. Umso wichtiger ist es, eine Hörminderung rechtzeitig zu versorgen.

Schwerhörigkeit betrifft viele

Unter Schwerhörigkeit versteht man eine Minderung des Hörvermögens. Diese Ausprägung kann von einer leichten Schwerhörigkeit bis zur Gehörlosigkeit reichen. Wie hoch die Prävalenz in Europa ist, versuchen verschiedene Studien aus einzelnen Ländern zu klären. Je nach den gewählten Parametern, wie zum Beispiel Alter oder Personenzahl, kommen diese Studien zu verschiedenen Ergebnissen zwischen 3,4 und 18,1 Prozent. Der 2006 durchgeführte Hear-it-Report fasste die bisher erhobenen Daten in einer Metastudie zusammen und geht davon aus, dass 16 bis 17 Prozent aller EU-Bürger eine Schwerhörigkeit von 25 dB oder mehr haben. Das bedeutet, dass etwa jede sechste Person an Schwerhörigkeit leidet.

Ob und wenn ja wie diese Schwerhörigkeit behandelt wird, ist dabei von Fall zu Fall verschieden. Bei der Gesundheitsbefragung 2014 gaben nur 3,6 Prozent aller Österreicherinnen und Österreicher ab 15 Jahren an, ein Hörgerät zu tragen. Jedoch gaben 6,8 Prozent der Befragten an, Schwierigkeiten beim Hören in ruhigen Räumen und 25,9 Prozent beim Hören in lauten Räumen zu haben.

  • Jeder Dollar für die Behandlung eines Kindes mit Schwerhörigkeit bringt einen Return on Investment von 2,07 Dollar.
  • EIn Hörverlust kann in vielen Fällen gemildert oder sogar verhindert werden.
  • WHO-Schätzung: Unbehandelte Schwerhörigkeit verursacht jährlich Kosten von 750 Milliarden Dollar.

Eine Kostenanalyse

Mehrere Studien haben versucht, die Kosten, die durch Schwerhörigkeit entstehen, zu eruieren. Auch wenn sich die Zahlen in den Studien unterscheiden, haben sie eines gemeinsam: Sie weisen darauf hin, dass nicht die Kosten für medizinische Leistungen das Problem sind, sondern die entgangene Arbeitsleistung der unbehandelten Schwerhörigen und die daraus resultierenden gesellschaftlichen Kosten.

Unbehandelte Schwerhörigkeit verursacht jährlich weltweit Kosten von 750 Milliarden Dollar, schätzt die WHO. Das sind rund 641 Milliarden Euro. Rund ein Zehntel der Kosten entsteht im Gesundheitssystem (ausgenommen Hörgeräte) und 5 Prozent durch zusätzliche Betreuungsaufwände für Kindern mit Schwerhörigkeit. Auf etwa 15 Prozent beläuft sich der Produktivitätsverlust aufgrund von Arbeitslosigkeit und Frühpension. Den Rest, und damit zwei Drittel der Gesamtkosten, stellen die Folgen aus Arbeitslosigkeit und gesellschaftlichem Ausschluss dar. Um diese Ausgaben zu reduzieren, muss schon präventiv, also vor dem Auftreten von Schwerhörigkeit oder zumindest früh im Krankheitsverlauf, eingegriffen werden.

Eine gute Investition

Ein Hörverlust kann in vielen Fällen gemildert oder sogar verhindert werden. Durch Hörscreenings bei Neugeborenen können Erkrankungen in einem Frühstadium erkannt und behandelt werden. Und auch bei anderen Krankheiten, die den Gehörsinn beeinträchtigen können, wie etwa ein Hörsturz oder eine Mittelohrentzündung, kann eine rechtzeitige medizinische Behandlung die Folgen und somit auch die Folgekosten gering halten. Hier ist es wichtig als Betroffener rechtzeitig zu handeln, um weitere Komplikationen zu verhindern. Eine höhere Sensibilisierung für den eigenen Gehörsinn, regelmäßige Hörtests und ein Gehörschutz für Personen, die Lärm ausgesetzt sind, rechnen sich auf lange Sicht.

Einen besonderen Wert in der Behandlung haben Hörgeräte oder Cochlear-Implantate. Sie steigern nicht nur die Lebensqualität der Patienten, sondern bringen auch ökonomische Vorteile für diese selbst und die Wirtschaft. Eine Studie zeigt: Für jeden Dollar, der in die Behandlung eines Kindes mit Schwerhörigkeit investiert wird, gibt es einen Return on Investment von 2,07 Dollar. Zur Veranschaulichung: Möchte man so einen Ertrag auf der Bank erwirtschaften, müsste man bei einem Zinssatz von einem Prozent rund 70 Jahre lang warten. Hörvorsorge zahlt sich also aus.