Der Kuckuck hat gerufen

Wer nicht gut hört, kann Vogelgezwitscher oft nicht mehr wahrnehmen. Wie zum Beispiel den Kuckucksruf. Der Kuckuck gilt als der Frühlingsbote schlechthin, ist umgeben von abergläubischen Ideen und eigentlich ein ziemlich durchtriebener Geselle.

Es gibt da einen Aberglauben: Wenn man im Frühling den ersten Kuckuck rufen hört, sollle man unbedingt Geld in der Tasche haben. Denn so sei einem noch im selben Jahr ein Geldregen sicher – wenn man bei Erklingen des namensgebenden „gu-kuh“ sofort aufs Geldbörsel klopfe. Wäre das nicht schon genug, müsse aber – so will es der Volksglaube – der Ruf des listigen Vogels aus dem Süden ertönen, andernfalls gebe es kein Geld. Wird er dagegen aus dem Westen vernommen, bringe er Glück in der Liebe (erfreulich), im Osten dagegen Gesundheit (immer gut). Falls sein Tönen jedoch aus dem Norden kommt, sollte man sich hüten: Denn das bringe Unglück.

Seltsame Beliebtheit

Der Kuckuck wurde im Jahr 2008 zum Vogel des Jahres gekürt, dabei ist er mit menschlichen Maßstäben betrachtet ein eher niederträchtiges Wesen. Als Junges versucht er aus Leibeskräften, andere Tiere aus dem Nest zu befördern, um bestenfalls als einziges von den Wirtseltern durchgefüttert zu werden. Bekanntlich legt das Kuckucksweibchen seine Eier in fremde Nester und lässt seinen Nachwuchs in Folge von anderen Vögeln aufziehen. Inzwischen weiß man auch, was der junge Kuckuck dort anstellt: Er lädt sich die anderen im Nest liegenden Eier auf den Rücken, stemmt sie hoch und schubst sie über den Nestrand. Es ist also nicht nur sein stimmgewaltiger, charakteristischer Balzruf, der den (optisch unscheinbaren) Kuckuck so besonders macht, sondern auch seine brutschmarotzende Lebensweise. Daher kommt übrigens die Redensart „jemandem ein Kuckucksei legen“ – jemand anderem etwas unterschieben.

Böse Vögel haben keine Lieder?

Zu Frühlingsbeginn kommt der liederliche Kuckuck aus seinem südlichen Winterquartier zurück, dann hört man ihn abwechselnd zwei Töne als kleine Terz rufen: „gu-kuh, gu-kuh!“ Damit wollen männliche Kuckucke die Weibchen anlocken; bei Annäherung derselben werden die Pausen zwischen den Rufen kürzer.

Kaum ein anderer Vogel ist im heimischen Volksliederschatz stärker vertreten als der Kuckuck. Im berühmten Kinderlied (Text: Hoffman von Fallersleben) ruft er gar lieblich:

Kuckuck ruft’s aus dem Wald.

Lasst uns singen, tanzen und springen.

Frühling, Frühling wird es nun bald.

 

Und vom selben Dichter stammt auch „Des Kuckucks Ruf“,
dessen erste Strophe gleich auf den Frühling einstimmt:

Der Kuckuck hat gerufen:

Nun lasst uns fröhlich sein!

Er kündet uns den Frühling

mit seinem Sonnenschein.

Kuckuck! Kuckuck! Kuckuck!

 

  • Der Kuckuck inspiriert – nicht nur die Lyrik, sondern auch die anderen Künste und zu Aberglauben.
  • Aus Kuckucksuhren – ürsprünglich im Schwarzwald entstanden – kommt zur vollen Stunde eine Kuckucksfigur. Die Anzahl der Rufe verkündet die Uhrzeit.
  • Auch der "Roadrunner" verkörpert eine Kuckucksart – den Wegekuckuck, auch Erdkuckuck oder großer Rennkuckuck genannt.

Spätestens seit der Komponist Camille Saint-Saens in seinem „Karneval der Tiere“ (im Jahre 1886 in einem kleinen österreichischen Dorf verfasst) dem Kuckuck ein stimmungsvolles Denkmal setzte, ist das kleine Tier endgültig in die lyrische Königsklasse der Vögel aufgestiegen. Das folgende Gedicht von Christian Fürchtegott Gellert hat einen etwas finstereren Zugang:

Der Kuckuck

Der Kuckuck sprach mit einem Star,

der aus der Stadt entflohen war.

»Was spricht man«, fing er an zu schrein,

»was spricht man in der Stadt von unsern Melodein?

Was spricht man von der Nachtigall?«

»Die ganze Stadt lobt ihre Lieder.« –

»Und von der Lerche?« rief er wieder.

»Die halbe Stadt lobt ihrer Stimme Schall.«

»Und von der Amsel?« fuhr er fort.

»Auch diese lobt man hier und dort.« –

»Ich muß dich doch noch etwas fragen:

Was«, rief er, »spricht man denn von mir,«

»Das«, sprach der Star, »das weiß ich nicht zu sagen;

denn keine Seele red’t von dir.« –

»So will ich«, fuhr er fort, »mich an dem Undank rächen

und ewig von mir selber sprechen.«  

 

Weiß der Kuckuck, wann wir zum Teufel gehen?

Der Kuckuck (und sein Ei) kommen in vielen Redensarten vor. Oftmals stellt er ein Verhüllungswort für den Teufel dar, wenn dieser nicht wörtlich genannt werden soll: „Scher dich zum Kuckuck!“ (Scher dich zum Teufel!), „Weiß der Kuckuck . . .“ (Das weiß der Teufel/Das weiß niemand), „Zum Kuckuck nochmal!“ (Zum Teufel!).

So wie er in seinem Leben ein Täuscher ist, wenn er anderen Vögeln seine Eier unterschiebt, kann auch ein recht düsterer Aberglaube für Verwirrung sorgen: Es heißt, die Zahl der Kuckucksrufe sage einem, wie viele Jahre man noch zu leben habe. In diesem Kontext ist wohl auch die umgangssprachliche Bezeichnung der Pfändungsmarke (auf der ein Wappenadler abgebildet ist) als Kuckuck zu verstehen, mitunter meint das dann sogar auch den Gerichtsvollzieher selbst.

Zugvögel, Vorboten des Frühlings

Wenn die Zugvögel aus ihren Winterquartieren zurückkehren, kündigen sie regelmäßig den Frühling an. Die Singvögel unter ihnen veranstalten dann Konzerte, die nicht zu überhören sind: Star und Bachstelze treffen meist als erstes ein, Mauersegler, Nachtigall und Kuckuck (und zahlreiche andere Singvögel) ziehen nach. Diese Zugvögel gelten als Frühlingsboten, da sie der Natur wieder eine (Vogel-)Stimme geben und den Winter hinter sich lassen.

Der Zeitpunkt des phänologischen Frühlingsbeginns wechselt von Jahr zu Jahr. Offenbar gibt es eine Tendenz, dass in Europa der Frühling zunehmend früher im Jahr beginnt. Indiz dafür sind zahlreiche Zugvogelarten, die heute einige Tage früher aus ihren Winterquartieren zurückkehren als noch vor wenigen Jahrzehnten.

Vogelgesang bedeutet Frühlingserwachen. Vogelgesang kann für viele Menschen gleichzeitig aber auch ein Indiz dafür sein, dass sie schlecht hören. Denn wer an einem Hochtonverlust leidet, nimmt hohe Frequenzen – wie z.B. Vogelgezwitscher – nicht mehr richtig wahr. Was in diesem Fall hilft, ist ein unverbindlicher Hörtest bei einem HNO-Arzt oder Hörakustiker – damit man die schönen Frühlingsklänge künftig wieder in voller Blüte hören kann.