Mein Kind hat eine Hörschwäche – was nun?

Schwerhörigkeit bei Kindern kommt häufiger vor als vermutet. Wenn Hörbeeinträchtigungen bei Kindern rechtzeitig erkannt werden, kann dank moderner Technik und früheinsetzender audiopädagogischer Unterstützung viel erreicht werden. Im Bereich der Schulbildung gibt es jedoch Aufholbedarf, was die Betreuung von gehörlosen und hörbeeinträchtigten Kindern betrifft.

In Österreich kommen jährlich mehr als hundert Kinder mit einer hochgradigen Hörstörung zur Welt. Eine Behandlung in den ersten Lebensmonaten kann betroffenen Kindern helfen, normal sprechen zu lernen. Um das zu gewährleisten, wird in fast allen österreichischen Spitälern bei Neugeborenen bereits am zweiten oder dritten Lebenstag ein Hörscreening durchgeführt. Dies erfolgt mittels „Brain Electric Response Audiometrie“, bei der Schwingungen im Hirnstamm gemessen werden. Wird eine Hörschädigung festgestellt, können Eltern und Kinder durch audiopädagogische Frühforderung unterstützt werden.

Für den Erwerb der Lautsprache sind gerade die ersten Jahre entscheidend. Deshalb ist es in dieser Zeit besonders wichtig, Kinder optimal zu fördern. „Es gibt mittlerweile sehr gute Möglichkeiten, um eine verminderte Hörleistung apparativ auszugleichen. In der audiopädagogischen Frühförderung geht es vor allem darum, Eltern zu unterstützen, damit diese ihre Kinder optimal fördern können“, sagt Christine Kiffmann-Duller, Audiopädagogin bei „Chance B„.

Ziel und Methode ist dabei der Dialog

Die Eltern sprechen in einer Art Doppelrolle für sich und für das Kind – so wird ein wahrnehmbarer Handlungsdialog möglich. Um aus dem Hörgerät ein „Verstehgerät“ zu machen, helfen Hörerziehung und Hörtraining. Zusätzlich können sprachfördernde Spiele, funktionelle Übungen aus der Sprachheilpädagogik und Logopädie sowie rhythmisch-musikalische Angebote helfen, das Kind bei der Sprachentwicklung zu unterstützen.

Wichtig bei der Begleitung der Eltern ist die Interdisziplinarität. Die Zusammenarbeit und der regelmäßige Austausch mit verschiedenen Fachleuten, wie den betreuenden Ärzten, Kliniken, Technikern, Pädagogen und Kinder-Akustikern, ermöglicht dabei eine optimale Entwicklungsbeobachtung des Kindes und die Förderbegleitung der Eltern. Hier geht es sowohl um die apparative Unterstützung als auch um den Umgang mit dem Kind und die Wahl eines geeigneten Krippen- oder Kindergartenplatzes.

  • Hörscreenings werden bei Neugeborenen standardmäßig durchgeführt.
  • Mutter und Kind üben das Gebärdenzeichen für Liebe.
  • Kinder mit Hörminderung sollten so früh wie möglich gefördert werden.

Mehr Unterstützung in der Schule nötig

Im Pflichtschulbereich gelten – nach unterschiedlichen Definitionen der Landesschulräte –rund 1400 Kinder und Jugendliche als gehörlos oder hörbehindert. Etwa die Hälfte der Betroffenen wird an einer Sonderschule unterrichtet, die andere Hälfte wird von Gesprächspädagogen in einer Klasse mit Kindern ohne Einschränkung betreut.

Problematisch ist laut einer Studie des Instituts für Höhere Studien (IHS) ein deutlicher Mangel an Dolmetschern für Gebärdensprache, was im Weiteren zu einer Bildungshürde für gehörlose Kinder und Jugendliche führt. Der geringe Einsatz von Gebärdensprache könnte laut der Studie neben technischen Neuerungen wie dem Cochlea-Implantat auch daran liegen, dass nicht alle gebärdensprachlich orientierten Kinder entsprechend unterrichtet werden.

Der österreichische Gehörlosenbund (www.oeglb.at) kritisiert die in Gehörlosenschulen praktizierte orale Methode zum Erlernen der Unterrichtssprache, da die Vermittlung von Inhalten und Wissen in den Hintergrund rückt und dies auch die Schriftsprachkompetenz vermindert.

Die Verwendung der Österreichischen Gebärdensprache im Unterricht kann helfen, die höchstmögliche Sprachkompetenz zu erreichen. Um Betroffenen die gleiche Chance auf einen Maturaabschluss zu gewährleisten, bräuchte es laut der IHS-Untersuchung von 2015 je nach Intensität der Betreuung allerdings zwischen 27 und 86 zusätzliche Dolmetscher.

Anlaufstellen in Österreich

Chance B – Interessenvertretung von Personen mit Behinderung und Angehörigen
Audiopädagogische Frühförderung und Familienbegleitung
www.chanceb.at

Bundesinstitut für Gehörlosenbildung
Kostenlose Frühförderung, Beratung und Begleitung der Eltern, Kindergarten, Schule
www.big-kids.at

AURIS
Interdisziplinäre Frühförderung & Familienbegleitung sowie Weiterbildungsangebote für Eltern, Pädagogen und Therapeuten
http://www.auris.at

Kinderhände Zentrum
Förderung der Österreichischen Gebärdensprache
http://kinderhaende.at

LZH – Landeszentrum für Hörgeschädigte
Audiopädagogische Frühförderung, Ganztagskindergarten, Ganztagsschule, Spezielle Therapien, Gebärdensprachkurse, Dolmetschzentrale
http://lzh.at

Österreichische Schwerhörigen Selbsthilfe
http://www.oessh.or.at

Kinderakustik-Zentrum von Neuroth in Wien
Umfassende Hörberatung, spielerisch durchgeführte Hörmessung, fachgerechte Hörgeräte-Versorgung, usw.
http://www.neuroth.at/kinderakustik