Mein neues Leben mit einem Hörgerät

Viele reagieren erst einmal ablehnend, wenn ihnen zur Behebung ihres Hörproblems ein Hörgerät empfohlen wird. Nicht so Peter Klemsch. Er erkannte: Wer sich frühzeitig eine Hörhilfe zulegt, senkt das Risiko für ein Fortschreiten des Hörverlusts und erhält zudem ein großes Stück Lebensqualität zurück.

Peter Klemsch lebt in einer schönen Wohnung in Wiens 23. Bezirk. Er ist ein geselliger Mensch, hat immer viel zu erzählen, hört aber auch gern anderen zu. Seit einiger Zeit hatte der pensionierte Fillialleiter einer Bank jedoch den Eindruck, dass seine Gesprächspartner nuscheln, der Fernseher konstant zu leise ist und sich die Akustik in den Konzertsälen, die er gerne besucht, verändert hat. Deshalb musste er oft nachfragen, was gesagt wurde, oder gab eine falsche Antwort, weil er seinen Gesprächspartner nicht richtig verstanden hatte. Konzerte machten ihm keine Freude mehr, da der Klang auf ihn „undefiniert und verwaschen“ wirkte. Besonders schwierig wurde es, wenn das Gespräch in lauter Umgebung stattfand.

Auf den Gedanken, dass seine Kommunikationsprobleme mit einem Nachlassen seines Hörvermögens zu tun haben könnte, kam er allerdings anfangs nicht. „Ich habe mein sprechendes Gegenüber eigentlich nicht leiser als früher gehört, nur irgendwie undeutlicher. Allerdings habe ich neuerdings die Türklingel und das Telefon überhört. Meine Frau hat einen Besuch bei einem Hörakustiker vorgeschlagen, um einen Hörtest zu machen. Eigentlich habe ich nicht geglaubt, dass das notwendig war. Aber gut, in den nächsten Tagen hatte ich einen Termin.“

Seit ich mein Hörgerät trage, machen mir Konzertbesuche wieder Freude und ich kann die Vögel im Garten singen hören. Und auch meine Mitmenschen sind froh, dass mein ständiges Nachfragen endlich ein Ende gefunden hat.

Peter Klemsch

Schwerhörigkeit und Alter

Auch wenn es Peter zu diesem Zeitpunkt noch schwerfiel, sein Problem beim Namen zu nennen, entsprachen seine Beeinträchtigungen exakt den Symptomen, die typisch für eine besonders häufige Form der Schallempfindungsstörung im höheren Lebensalter sind: die Hochtonschwerhörigkeit. Hierbei kann das Innenohr den Schall nicht mehr richtig verarbeiten. Das betrifft anfangs vor allem die hohen Töne: Das Klangbild der gehörten Sprache oder Töne kann nicht mehr differenziert genug wahrgenommen werden, weil die hohen Frequenzen nicht mehr gehört werden.

„Dieser Prozess entwickelt sich schleichend über Jahre, sodass ich erst dann realisiert habe, dass mit meinem Hörvermögen etwas nicht stimmt, als es bereits erheblich beeinträchtigt war“, erzählt Peter. Bleibt eine therapeutische Intervention aus, schreitet die Schwerhörigkeit weiter fort – bis schließlich viele Alltagsgeräusche nicht mehr wahrgenommen und kaum mehr Unterhaltungen geführt werden können, weil der Betroffene den anderen buchstäblich nicht mehr richtig hören kann. Dies führt oft auch zu einer sozialen Isolation.

Besser früher als später

Eine Schwerhörigkeit lässt sich zwar nicht mehr rückgängig machen, doch kann sie gut mit einem Hörgerät kompensiert werden. Von einem erfahrenen Hörgeräteakustiker individuell auf die Bedürfnisse des Betroffenen angepasst, bietet ein modernes Hörsystem einen unkomplizierten Weg zurück ins gewohnte soziale Leben. Im Durchschnitt dauert es jedoch etwa sieben Jahre, bis ein Betroffener einen Hörgeräteakustiker oder einen Hals-Nasen-Ohrenarzt aufsucht. Denn viele setzen das Tragen eines Hörgeräts mit Alter und Gebrechlichkeit gleich und nehmen lieber Kommunikationsschwierigkeiten und das Überhören von Türklingeln oder Telefonen in Kauf, als auf eine Hörhilfe zurückzugreifen. Dabei könnte man es auch wie Peter sehen: „Hörgeräte werden doch nicht verordnet, weil man alt ist. Sie werden verordnet, weil man mit einem Hörgerät besser hören kann und damit wieder ein großes Stück Lebensqualität zurückerhält, das immer mehr verloren gegangen war.“