Welche Musik für die Katz ist

Klassische Musik zur Beruhigung im OP und ein eigenes Katzen-Album zeigen, dass Melodien nicht nur auf Menschen positiv wirken können.

Musik hat auf Menschen die unterschiedlichsten Wirkungen, aber dass sie auf die eine oder andere Art wirkt, ist sicher. Egal ob man auf langen Autorfahrten die richtige Musik hört, ein Relax-Wochenende genießt, oder einen positiven Start in den Tag sucht – jeder Mensch hat seine individuellen Vorlieben. Aber welche Wirkung haben Musikstücke auf Tiere? Mögen Stubentiger die Rolling Stones, schnurren sie zu Mozart oder genießen sie es doch am meisten, wenn absolute Stille herrscht? Ob den Tieren so ein Klangerlebnis egal ist, oder sie sich vielleicht sogar über die Abwechslung freuen, beschäftigt die Forschung mehr, als man vielleicht vermuten würde.

Veterinärmediziner der Universität Lissabon haben in einer Studie untersucht, wie Katzen auf Musik reagieren. „In den Operationsräumen, in denen ich arbeite und unterrichte, ist Umgebungsmusik omnipräsent und ein wichtiger Teil, um für das Team, die Tiere und die Halter eine Atmosphäre zu schaffen, in der sie sich wohlfühlen. Während der Sprechstunden habe ich bemerkt, dass die meisten Katzen vor allem Georg Händels Kompositionen mögen. Sie werden ruhiger, toleranter und fühlen sich sicherer während der Untersuchung“, erklärt Studienleiter Miguel Carreira, Professor an der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Lissabon, den Ursprung seiner Studie. In seiner Forschung im Zentrum für interdisziplinäre Forschung in Tiermedizin wollte er herausfinden, ob unterschiedliche Musik, wie beim Menschen, auch auf Katzen verschiedene Auswirkungen hat.

Medikamente durch Musik reduzieren

Er teste zwölf Katzen, die zur Sterilisierung operiert wurden. Zunächst wurden sie unter vollkommener Stille narkotisiert, danach spielte man ihnen mit Ruhepausen unterschiedliche Musikstücke vor. Mit einer Auswahl von drei Songs verschiedener Genres testete das Team um Carreira, ob die Katzen auf die veränderte Geräuschkulisse reagieren. „Ich wollte für die Studie drei typische Vertreter unterschiedlicher Musikstile verwenden, die einen Kontrast zueinander aufweisen“, erklärt Carreira.

Während die Katzen bei „Torn“ von Natalie Imbruglia relativ gleichgültig blieben, stieg der Stresslevel bei AC/DCs „Thunderstruck“ deutlich. Ein klassisches Stück des amerikanischen Musikers Samuel Barber beruhigte die Katzen hingegen. Diese Erkenntnis könnte auch Auswirkungen auf zukünftige Behandlungen haben, da das Spielen von Klassik eine Reduktion der Narkosemittel bei Operationen ermöglichen soll.

Trotzdem gibt es laut Carreira auch hier Unterschiede: „Meiner Meinung nach hat nicht jede Art von klassischer Musik diesen Effekt auf Katzen. Wir glauben, dass die positive Wirkung auf vielen Parametern beruht – wie Rhythmus, Frequenz, Kadenz und Tonlagen.“ Aktuell arbeitet das Team übrigens auch an einem vergleichbaren Experiment mit Hunden.

  • Musik kann nachweislich beruhigend auf Katzen wirken.
  • Musik könnte auch beim Tierarzt-Besuch helfen.
  • Wenn Tiere allein zuhause bleiben, läuft häufig das Radio. (Bild: CC-BY-SA 4.0, Flickr, „Sophie Radio“, Copyright: Alan Turkus)

Musik speziell für Katzen

Nicht nur in Lissabon ist Katzenmusik ein Thema. Der amerikanische Solist David Teie entwickelte gemeinsam mit einem Forscherteam unter der Leitung von Charles Snowdon (Universität Wisconsin) das Projekt „Music for Cats“. Das zugehörige Album enthält eine Reihe von speziell für Katzen komponierter Musikstücke.

Dabei wurden die Frequenzen und Tonlagen, in denen die Tiere sowohl untereinander als auch mit der Umwelt kommunizieren und auf die sie positiv reagieren, verwendet. Das verband David Teie mit Schnurrlauten und konzipierte dabei Musik, die auch für Herrchen und Frauchen nicht allzu anstrengend wirkt.

Die 47 Katzen, denen das Forscherteam die Musik vorspielte, reagierten überwiegend positiv. Die Experimente fanden dabei in der heimischen Umgebung der Katzen statt, damit sich die Tiere natürlich verhalten konnten. Das Ergebnis war durchaus positiv und manche Katzen suchten verstärkt die Nähe zu den Lautsprechern und kuschelten sich um die Boxen. Die Studie ergab, dass Tiere lediglich in neun von 94 Fällen abweisend auf die Musik reagierten – Katzenmusik ist eben auch Geschmacksache. Gerade wenn die Katzenhalter unterwegs sind, soll die Musik als beruhigende Ablenkung sorgen.

Weniger allein mit Radiomusik

Nicht nur Katzenliebhaber suchen nach einer Möglichkeit, die Tiere zu beruhigen, wenn diese länger alleine bleiben. Einige Leute drehen aus diesem Grund das Radio auf, damit ihre Lieblinge sich nicht einsam fühlen oder panisch werden. Der Deutsche Radiosender „Hallo Hasso“ hat deshalb ein tägliches Programm speziell für Hunde gestaltet. Auf der Playlist steht hauptsächlich gleichbleibende Musik, etwa Gitarrensongs und Klassik. Die Tiere sollen sich schließlich nicht aufregen oder gar in ein Bell-Konzert verfallen.

Für alle Katzenhalter, dies gleich ausprobieren möchten: Hier sind 3 Cat-Songs auf Soundcloud: