Neue EU-Verordnung: Autos werden schrittweise leiser

Eine EU-Verordnung bringt neue Lärmgrenzen für Autos – was das bedeutet und wie wichtig ein gutes Gehör im Straßenverkehr ist.

Man muss nicht am Wiener Gürtel oder neben der Autobahn wohnen, um zu wissen: Straßenlärm kann zu einer ziemlichen Belastung für unsere Ohren werden. Auf vielbefahrenen Straßen liegt der durchschnittliche Lärmpegel bei 70 Dezibel. Zu bleibenden Gehörschäden führt dies noch nicht – eine Dauerbelastung kann die Gesundheit dennoch beeinträchtigen. Die Weltgesundheitsorganisation geht beispielsweise bei einem durchschnittlichen Lärmpegel von über 65 Dezibel von einem erhöhten Herzinfarkt-Risiko aus.

Schrittweise bis 2024

Die EU will die Geräuschemission auf Europas Straßen nun kontinuierlich senken. So ist seit Juli eine neue Verordnung des Europäischen Parlaments in Kraft. Zukünftig darf ein in der EU neu zugelassenes Kraftfahrzeug nur noch 68 Dezibel laut sein. Dieser Wert wird bis 2024 stufenweise eingeführt, zurzeit liegt er noch bei 74 Dezibel. Die neuen Werte gelten – zumindest vorerst – nur für neue Autos, und hier erst zeitverzögert für die Neuzulassungen: „Betroffen sind von der Richtlinie zunächst neue Kraftfahrzeuge bei der Typisierung ab Juli 2016“, sagt Dr. Stefan Mann aus der Rechtsabteilung des Auto-, Motor- und Radfahrerbund Österreichs (ARBÖ).

In der juristischen Sprache bezeichnet man Lärmbelästigung wie jenen im Straßenverkehr als „Umgebungslärm“. Der Begriff fasst alle belastenden bzw. gesundheitsschädlichen Geräusche im Freien zusammen, die von menschlichen Aktivitäten verursacht werden. Dazu gehören neben dem Straßenverkehr etwa auch Schienen- und ziviler Flugverkehr. Mann erklärt: „Zu beachten ist aber, dass die Geräuschemissionen im realen Betrieb stark von der Fahrweise des Lenkers abhängen.“

  • Ohren zu und durch? Bei Dauerlärmbelastung ist das die falsche Strategie.
  • "Das Thema Lärm lässt sich nicht vermeiden und soll sich nicht vermeiden lassen", so ARBÖ-Sprecher Sebastian Obrecht
  • Alte Fahrzeuge sind von der neuen Richtlinie nicht betroffen.

Überlebensnotwendige Orientierungshilfe

Bei aller Belastung durch Lärm: Wie „wichtig“ dieser auch sein kann, zeigt die Diskussion um an Unfällen beteiligten geräuschlosen Elektroautos. Sebastian Obrecht, Sprecher des ARBÖ, sagt: „Das Thema Lärm lässt sich nicht vermeiden und soll sich nicht vermeiden lassen.“

Denn Menschen nehmen viele Gefahren nicht mit den Augen, sondern den Ohren wahr, erinnert Obrecht. Das Ohr ist als Sinnesorgan Orientierungshilfe und das ist unter anderem im Straßenverkehr sicherheitsrelevant. Durch das Richtungshören können wir die Entfernungen von Schallquellen abschätzen.

Ersatzlärm für E-Autos

Auch an Elektroautos hat die EU gedacht. Akustische Warnsysteme werden für sie verpflichtend und Passanten so besser auf Gefahren aufmerksam gemacht. Doch auch Fußgänger können sich durch das aktive Einsetzen ihrer Sinne vor Gefahren schützen.

Es mag verlockend sein, mit der Lieblingsmusik in den Ohren durch die Gegend zu spazieren. Diese schafft aber eine zusätzliche Lärmquelle, die dafür sorgen kann, dass Warnsignale überhört werden. Also besser: Musik aus. Obrecht empfiehlt: „Mit offenen Augen und Ohren durch die Welt marschieren, dann lassen sich viele Gefahren vermeiden.“

Auch innerhalb des Fahrzeuges sollte daher jeder die Umgebung so gestalten, dass übermäßiger Lärm keine Ablenkung darstellt. Elektrische Geräte besser abdrehen: sei es das laute iPad der Kinder, die Freisprecheinrichtung oder Musik. Denn ebenso wie Dauerlärm stellt ständige Ablenkung eine Gefahr dar. Durch sie kracht es schneller, als erwünscht.