Schall und Rauch: Wie Rauchen das Gehör beeinflusst

Seit Monaten läuft eine heftige Debatte rund um das Rauchverbot in der Gastronomie. Wie eine umfangreiche Studie nun offenlegt, steigert Rauchen das Risiko für Hörschäden.

In den meisten europäischen Großstädten gehören kleinere und größere Menschentrauben vor Pubs, Bars und Restaurants mittlerweile zum Stadtbild. Grund für diese partielle Verlagerung des Nachtlebens nach draußen ist, dass in Städten wie London, Dublin, Paris und Hamburg in den Räumlichkeiten von Gastronomiebetrieben nicht mehr geraucht werden darf. Selbiges wurde im Mai des vergangenen Jahres eigentlich auch für Österreich beschlossen, jedoch von der im Herbst neu gewählten Regierung wieder in Frage gestellt.

Nach einer Vielzahl von Diskussionen, die schließlich ein Volksbegehren zur Folge haben werden, fiel das an sich schon beschlossene Rauchverbot letztendlich wieder. Eine Tatsache, die vielen Menschen auf die Nerven geht und im Gegensatz zum allgemeinen europäischen Trends zur Stärkung des Nichtraucherschutzes steht. Im Zentrum der Diskussion stehen vor allem gesundheitliche Risiken, die vielen zwar bekannt, aber dennoch nicht allen bewusst sind. Weniger bekannt ist allerdings, dass Rauchen auch negative Auswirkungen auf das Gehör hat. Japanische Forscher des National Center for Global Health brachten nun mit einer großangelegten Studie etwas Licht in den blauen Dunst und damit einen noch weitgehend unbekannten Faktor in die aktuelle Raucherdebatte.

Besserung kurz nach dem Rauchstopp

50.000 Teilnehmer wurden im Zuge dieser Studie befragt und teilweise bis zu acht Jahre lang beobachtet. Alle an der Studie beteiligten Frauen und Männer waren zwischen 20 und 64 Jahre alt und frei von jeglichen Hörbeeinträchtigungen. Um einen möglichen Hörverlust festzustellen wurden alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen jährlich audiometrisch untersucht. Bei 3.532 Teilnehmern konnte gegen Ende des Beobachtungszeitraums ein Hörverlust im Hochfrequenzbereich festgestellt werden. Für 1.575 Probanden galt dasselbe – allerdings in Niedrigfrequenzbereich.

  • Im Zuge einer aktuellen Studie konnte festgestellt werden, dass Rauchen das Hörvermögen negativ beeinflusst.
  • Das erhöhte Risiko für Raucher, Hörschäden zu erleiden, sinkt laut Studie nach einem Rauchstopp schnell wieder.
  • Nach heftiger Debatte: Das generelle Rauchverbot in der österreichischen Gastronomie ist vorerst gekippt.

Schließt man aus diesen Zahlen auf das relative Risiko unter Rauchern, einen Hörverlust zu erleiden, war es bei der Gruppe der Raucher 1,2- bis 1,6-fach höher als bei der Gruppe von Nichtrauchern. Das Risikopotenzial war im Hochfrequenzbereich etwas höher als im Niedrigfrequenzbereich. Aus der Studie ging auch hervor, dass das Risiko für eine merkbare Beeinträchtigung des Hörvermögens mit der Anzahl der konsumierten Zigaretten zusammenhängen könnte.

Diese Nachricht wird den Studienautoren zufolge jedoch von einer guten Nachricht für Raucher begleitet: Das in der Studie beschriebene Risiko würde nach einem Rauchstopp innerhalb relativ kurzer Zeit wieder zurückgehen und sich normalisieren. Die aus der Studie gewonnenen Zahlen zeigen also auf, dass Rauchen als einer der Faktoren für eine Hörmindeurng anzusehen ist. Diesen noch wenig beachteten Punkt bei der Risikoaufklärung miteinzubeziehen, könnte die Raucherdebatte mit neuem Argumentationsmaterial unterfüttern und der Prävention vor den Gefahren des Rauchens wieder vermehrt Gehör verschaffen.

Zusammenhänge offenlegen

Es handelt sich bei der vorliegenden Studie zwar um die derzeit größte zu diesem Thema, es gab allerdings zuvor schon wissenschaftliche Vorstöße in diese Richtung. Bereits in den späten 80er-Jahren startete ein Team um die Wissenschaftlerin Karen Cruickshanks eine Studie über den Zusammenhang zwischen Zigarettenkonsum und möglichen Hörproblemen. Zentrales Ergebnis dieser frühen Studie war, dass Studienteilnehmer, die mindestens 100 Zigaretten konsumiert hatten, mit einer 1,7-mal so großen Wahrscheinlichkeit rechnen mussten, in der Zukunft an merklichem Hörverlust zu leiden. Bei stark rauchenden Teilnehmern stieg das Risiko eines Hörverlusts noch einmal deutlich an. Allerdings sei zum Zeitpunkt der Studie nicht klar gewesen, auf welche Weise das Rauchen den Hörverlust bedingt.

Schenkt man den beiden am weitesten verbreiten Annahmen Glauben, verursacht der Zigarettenkonsum Oxidationsschäden im Ohrgewebe oder schränkt die Blutzufuhr zum Ohrgewebe ein. Eine andere, erst vor einigen Jahren durchgeführte britische Studie, die sich auf Datensätze von 65.000 Erwachsenen im Alter von 40 bis 69 Jahren stützte, berücksichtigte außerdem das Risiko des Passivrauchens. Auch bei der Gruppe der Passivraucher konnte ein erhöhtes Risiko festgestellt werden – wenngleich es auch deutlich unter dem der starken Raucher blieb.