Schlecht hören kann auch depressiv machen

Der „Weltgesundheitstag“ der WHO (7.4.) steht heuer im Zeichen von Depressionen. Warum eine Hörminderung Depressionen und Demenz fördern kann und wie wichtig rechtzeitige Vorsorge ist.

In Österreich leiden geschätzte 800.000 Menschen an Depressionen. Dennoch wird nach wie vor oft nicht darüber geredet. Rund 50 Prozent der schwereren Fälle werden gar nicht behandelt. International sind mittlerweile laut Weltgesundheitsorganisation rund 300 Millionen Menschen betroffen, der Anstieg betrug alleine zwischen 2005 und 2015 mehr als 18 Prozent. Umso wichtiger ist es, auf das Thema in all seinen Facetten aufmerksam zu machen. So kann etwa auch eine Hörminderung negative Folgen für die seelische und geistige Gesundheit haben. Ein Thema, das im Fokus des diesjährigen „Weltgesundheitstages“ (7.4.) steht.

„Ein gutes Gehör ist nicht nur für die Kommunikation und das Verstehen im Alltag wichtig, sondern wirkt sich auch positiv auf Geist und Körper aus“, sagt Hörakustik-Experte Andreas Grill anlässlich des Weltgesundheitstag, „Leidet das Gehör, leidet auch das Zwischenmenschliche.“ Die Folge: Menschen mit Hörminderung ziehen sich zurück. Und diese soziale Isolation kann zu Depressionen führen und Demenz fördern.

  • Eine Hörminderung kann auch negative Folgen für die seelische Gesundheit haben.
  • Da zu sein und ein offenes Ohr zu haben - das ist für Menschen mit Depressionen besonders wichtig.
  • Wer schlecht hört, kapselt sich meist auch ab.

Das belegen auch mehrere Studien: So betrug laut Analyse von US-Forschern des „National Institute on Deafness and Other Communication Disorders“ der Prozentsatz depressiver Erwachsener, die ein gutes Gehör haben, fünf Prozent. Dieser Prozentsatz stieg bei Menschen mit Hörminderung hingegen auf 11,4 Prozent. „Menschen mit Hörminderung – vor allem diejenigen, die keine Hörgeräte verwenden – finden es schwierig, mit anderen Menschen zu kommunizieren. Das gilt für familiäre Situationen, gesellschaftliche Veranstaltungen oder für die Arbeit“, sagt der US-Amerikaner James Firman, Chef des „National Council on Aging“.

Gut hören – und länger fit bleiben

Eine aktuelle Langzeitstudie aus Frankreich zeigt außerdem: Ein unbehandelter Hörverlust beschleunigt den kognitiven Verfall. Hörgeräte wirken sich in diesem Zusammenhang positiv auf die Kommunikationsfähigkeit aus, was nicht nur die Stimmung verbessere, sondern auch soziale und geistige Aktivitäten fördere – heißt es in der PAQUID-Studie.

Dennoch ist bei Menschen mit Hörminderung die Barriere im Kopf oft groß, einen HNO-Arzt oder Hörgeräteakustiker zu konsultieren. „Rund sieben Jahre dauert es nach der Diagnose im Durchschnitt bis ein Betroffener Hörgeräte in Anspruch nimmt“, sagt Grill. Umso wichtiger sei es, umfassend aufzuklären und rechtzeitig vorzusorgen.