So gefährlich ist Zugluft

Ein leichter Luftzug durch offene Fenster und Ventilatoren kann auch im Sommer die Ohren gefährden.

Wenn die Temperaturen in Büro, Wohnung und öffentlichen Verkehrsmitteln steigen, wird es dort zunehmend schwerer zu ertragen. Schnell werden alle Fenster aufgerissen, Ventilatoren aufgedreht und Klimaanlagen angeschaltet. Das macht die Hitze natürlich deutlich erträglicher, doch man wird anfälliger für Infekte. Eine Sommergrippe schleicht sich ein und Zugluft ist dabei ein wichtiger Faktor. Eine leichte Brise durch ein geöffnetes Fenster im Zug oder ein angenehmer Wind, der vom Mini-Ventilator auf dem Schreibtisch ausgeht, kann auch eine Erkältung zur Folgen haben.

Zugluft greift die Schleimhäute an

„Ganz klar ist nicht, warum Menschen bei Zugluft empfindlicher sind für Infekte. Es scheint aber, dass durch einen Reflexkreis die Durchblutung vor allem in der Nasenschleimhaut reduziert wird und man dadurch anfälliger wird“, erklärt Dr. Christoph Arnoldner, stellvertretender Leiter der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenkrankheiten Wien.

  • Ein Luftzug kann die Schleimhäute angreifen und eine Erkältung fördern.
  • Dr. Christopher Arnoldner empfiehlt, mit gesunder Ernährung einer Erkrankung vorzubeugen.
  • Trotz Bürohitze sollte man den Ventilator vorsichtig einsetzen.

Eine gängige Theorie ist die der langsamen Auskühlung. Kaum merkbare Luftzüge haben einen Namen: laminare Luftzüge. Bei solchen geringen und langsamen Temperaturabfällen, reagieren die Kälterezeptoren der Haut nicht. Der Körper leitet dann keine Abwehrmaßnahmen ein, wie stärkere Durchblutung der betroffenen Stellen und das Zusammenziehen der Hautgefäße. Dadurch kühlen auch die Muskeln aus und es kann zu Verspannungen kommen. Das Ergebnis ist dann zum Beispiel ein steifer Hals, der lange Zeit Schmerzen bereiten kann.

Kinder sollten besonders geschützt werden

„Die häufigsten Infekte sind in den oberen Atemwegen und können beispielsweise zu einer Nebenhöhlenentzündung führen“, so Arnoldner. Vor allem dann, wenn die Schleimhäute gefährdet sind, können sich Bindehaut- und Mittelohrentzündungen entwickeln. Auch bei sommerlichen Schwimmausflügen sollte man immer auf trockene Ohren achten. Ist man mit noch nassen Ohren einem Luftzug ausgesetzt, beispielsweise durch ein offenes Fenster in Auto oder Zug, kann sich das Ohr entzünden. Da besonders Kinder anfällig für eine Mittelohrentzündung sind, sollten Eltern auf jeden Fall Vorsorge treffen.

Wirklichen Schutz vor Zugluft gibt es nicht, es sei denn, man möchte sich mit winterlicher Kopfbedeckung vor dem Wind schützen. Im Idealfall geht man dem Luftzug aus dem Weg oder schützt sich mit Schals oder Kapuzen. Auch eine gesunde Ernährung kann die Abwehrkräfte unterstützen, erklärt Arnoldner: „Vitamin E ist prinzipiell gut für die Schleimhäute und ein Mangel kann ein Mosaikstein in der Entstehung von Infekten durch Zugluft sein. Die Einnahme von Vitaminen kann schon helfen, ein Allheilmittel ist es allerdings auch nicht. Wer sich ausgewogen ernährt, muss sich eigentlich nicht im zusätzlichen Übermaß Vitamin E und C zuführen.“

Hat man bereits schmerzende Ohren, sollte man sie vor sämtlicher Zugluft schützen, da sich die Entzündung sonst verschlimmern kann. Rotlichtbestrahlung und ausreichend Trinken sind die ersten Reaktionen. Dauern die Ohrenschmerzen an, ohne dass eine Besserung eintritt, oder werden die Schmerzen sogar noch schlimmer, sollte man auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen, da sonst langfristig das Trommelfell geschädigt werden kann.