Wenn Bücher sprechen können

Beim Umblättern beginnt das Buch zu sprechen, die Geschichte hinter den abgebildeten Fotos erwacht zum Leben. Erzähler und Soundkulisse betten das Gedruckte in einen Kontext, geben zusätzliche Informationen und Hintergründe preis. Ist das Zukunftsmusik?

Die TU Chemnitz forscht seit Jahren daran, extrem dünne Lautsprecher zu entwickeln und diese mit Hilfe eines sogenannten  T-Papers, also Ton-Papiers, auch zwischen zwei Buchseiten zu bringen. Das Forschungsergebnis wird im T-Book sichtbar und ist eine ganz eigene Art des Hörbuchs. Und so funktioniert’s: Die Lautsprecher werden in zwei Papierbögen eingearbeitet, die anschließend zu einer Seite zusammengeklebt werden. Schließlich erhält man ein sogenanntes T-Paper, das regulär bedruckt werden kann.

Das T-Book selbst wurde 2015 im Rahmen des World Press Fotoawards erstmals präsentiert. Die Elektronik verschwindet dabei im Bucheinband und Sensoren im Buchrücken erkennen, wann eine Seite umgeblättert wird. „Der Prototyp von 2015 war unglaublich dick und schwer. Wir arbeiten daran, die Elektronik so im Buch zu verbauen, dass man es von einem normalen Hardcover nicht mehr unterscheiden kann,“ beschreibt Forschungsleiter Dr. Georg Schmidt eines der Ziele des Projekts. Auch zeige das Papier mit der erweiterten Technik keinen Unterschied zu normalen Buchseiten.

Zuschuss für die Massenproduktion

Die Herstellung des T-Books war bislang sehr teuer und langwierig, da jede Lautsprecherseite von Hand hergestellt werden musste und damit mehrere Stunden beanspruchte. „Um das im großen Stil einsetzen zu können, arbeiten wir an einem Rollenprozess, bei dem das Lautsprecherpapier, wie bei einer Zeitung, innerhalb von wenigen Sekunden hergestellt wird“, erklärt Schmidt. Dafür hat das T-Paper-Projekt Unterstützung des deutschen Bundesministeriums für Bildung und Forschung bekommen, das die weitere Forschung mit 1,4 Millionen Euro gefördert hat. Damit soll die Produktion der T-Paper massentauglich werden können.

  • Das T-Paper soll zukünftig aus der Druckerpresse kommen.
  • Bedruckbare Buchseiten mit integrierten Lautsprechern.
  • Das sprechende Buch bettet Fotos in eine Soundkulisse.

Günstig werde es für die Verbraucher derweil trotzdem noch nicht, erklärt Schmidt: „Der Preis wird von der Produktionsmenge abhängen. Unsere Druckprozesse sind dafür prädestiniert, dass hohe Stückzahlen produziert werden können. Aber es wird zunächst trotzdem erst einmal in einem höheren Preissegment angesiedelt werden.“ Die Qualität des Produktes stehe dabei aber im Vordergrund der Produktion. Angelegt ist das Projekt auf drei Jahre, danach – so die Hoffnung – soll die Massenproduktion des T-Papers für viele verschiedene Anwendungsgebiete möglich werden.

Neue Möglichkeiten für Papier-Liebhaber

Der Prototyp des T-Books bietet neben Fotobüchern auch für Kataloge von Museen und Festivals oder Kinderbücher bereits einen Ausblick auf neue Möglichkeiten für überraschende, kreative Nutzung der Technologie. Trotzdem ist vor allem die Werbeindustrie am Produkt interessiert, da hier eine unkonventionelle und interessante Möglichkeit der Vermarktung gesehen wird. „Sprechende Arzneimittelverpackungen könnten dabei in Zukunft Beipackzettel vorlesen“, so Schmidt. Natürlich könnte man für einige Funktionen auch einfach ein Tablet benutzen, aber „es wird immer viele klassische Leseratten geben, die das Medium Papier lieben. Das ist schon nach wie vor etwas Besonderes“, ist sich Georg Schmidt sicher.