Was hören unsere Vierbeiner?

Was hören unsere Haustiere und vor welchen Geräuschen sollten wir sie schützen? Hören.at hat bei Tierarzt Michael Leschnik nachgefragt.

Unser Alltag ist von Geräuschen geprägt. Während sich Menschen vor Lärm schützen können, sind Tiere ihrem Gehör ausgeliefert – und das, obwohl sie besser und in anderen Frequenzbereichen hören.

Hundepfeifen bauen darauf auf, dass Haustiere in einem anderen Frequenzbereich hören als der Mensch. Während wir den hohen Ton kaum wahrnehmen, ist er für Hunde ganz normal hörbar. „Der Frequenzbereich beim Menschen liegt bei etwa 16 bis etwa 20.000 Hertz, bei Hunden ist die Frequenzspanne mit 15 bis 50.000 Hertz deutlich größer“, sagt Dr. Michael Leschnik von der Veterinärmedizinischen Universität Wien.

Haustiere hören nicht nur besser, sondern anders

Zusätzlich sei die gesamte Anatomie des Hundeohrs auf eine andere Art der Wahrnehmung ausgelegt: „Die beweglichen Ohrmuscheln sind sehr gut auf das Richtungshören ausgelegt. Das dient der akustischen räumlichen Orientierung, da der Hund als Jäger die Beute mit diesem Sinn wahrnehmen und später verfolgen können muss“, erklärt der Veterinärmediziner. Aber nicht nur der gehörte Frequenzbereich ist höher, auch die wahrgenommene Lautstärke unterscheidet sich. Hunde hören – je nach Frequenzbereich – bis zu acht Mal besser als der Mensch.

  • Dr. Michael Leschnik: "Hunde hören bis zu acht Mal besser als der Mensch."
  • Wir nehmen nur einen Bruchteil der Laute von Katzenbabys wahr, da diese in einem sehr hohen Frequenzbereich liegen.
  • Hunde/Katzen können aufgrund der Anatomie des Ohres Geräusche besser lokalisieren.

Katzen hören hohe Töne besser

Ähnlich ist das bei Katzen. Wer versucht, sich an einer Katze unbemerkt vorbeizuschleichen, wird wenig Glück haben – die Tiere hören etwa drei Mal besser als Menschen. Auch bei Katzen ist der wahrgenommene Frequenzbereich ein anderer als unserer: Sie nehmen Geräusche zwar erst ab etwa 60 Hertz wahr, können aber dafür aber Töne in hohe Frequenzen bis etwa 65.000 Hertz hören. Aufgrund des verschobenen hörbaren Frequenzbereichs reagieren Katzen auf Frauenstimmen oft besser, da diese höher sind.

Musikbeschallung ist für Tiere kein Genuss

Die bessere Hörleistung sollte man auch im Alltag und Umgang mit Haustieren beachten. „Grundsätzlich ist weder das menschliche noch das Hundeohr für sehr laute Geräusche oder Knallgeräusche geeignet“, so Dr. Michael Leschnik.

Während wir hingegen die Belastung für unsere Ohren mit entsprechendem Gehörschutz senken können, ist eine längerfristige hohe Geräuschbelastung für Hunde belastend. Hunde beispielsweise lange zu lauter Musik auszusetzen sei für die Tiere eher eine Qual als eine Freude, erklärt Leschnik: „Es sollte vermieden werden, Hunde beispielsweise zu Konzerten mitzunehmen. Abgesehen vom für das Tier entstehenden Stress durch die Menschenmenge, ist auch der Schalldruck für das Hundeohr ungeeignet.“

Hunde und Katzen im Alltag schützen

Neben musikalischer Beschallung sollte auch auf das Vermeiden von Knallgeräuschen geachtet werden. Ebenfalls unangenehm bzw. gefährlich sind Ultraschallgeräte, die zum Fernhalten von Tieren im Garten verwendet werden. Grundsätzlich muss vor allem darauf geachtet werden, dass sich Haustiere, wie Hunde und Katzen, selbst vor der Lärmbelastung schützen können. „Die Tiere müssen immer die Möglichkeit haben, vor einem Geräusch zu fliehen. Ansonsten liegt Tierquälerei vor“, erklärt Leschnik.