Was induktive Höranlagen sind und was sie können

Ein klassisches Konzert, ein großer Saal, viele Menschen, Sesselrücken, Räuspern. Kurz: Viele Nebengeräusche begleiten den Musikgenuss. Für Menschen mit einem Hörgerät sicher nicht die besten Voraussetzungen, um sich an Live-Musik zu erfreuen. Doch: einen Schalter am Hörgerät auf “Ein”, und plötzlich ist es, als ob man mitten im Orchester sitzen würde. Induktive Höranlagen machen dies und vieles mehr möglich.

Vielleicht sind Ihnen an Veranstaltungsorten wie Kinos, Theatern oder Konzertsälen schon einmal kleine Hinweisschilder aufgefallen, die ein Ohr oder eine Spule zeigen? Dann haben Sie sich vermutlich an einem Ort aufgehalten, der mit einer induktiven Höranlage ausgestattet ist. Eine induktive Höranlage vermag es, Sprach- und Musiksignale drahtlos direkt zu einem Hörgerät oder einem Cochlea Implantat (CI) zu schicken, indem sie ein elektromagnetisches Feld erzeugt, das vom Hörgerät oder CI empfangen wird. Das lästige Kabel eines Audioeingangs oder der höhere Preis einer drahtlosen Bluetooth-Verbindung, die noch an wenigen Orten ausserhalb des eigenen Haushalts nutzbar ist, entfallen so.

In modernen Konzertsälen ist eine induktive Höranlage Bestandteil zeitgenössischer Beschallungsanlagen. Vom Mischpult aus wird das fertig aufbereitete Sprach- und Musik-Signal abgezweigt und einem speziellen Verstärker zugeführt. An diesen ist aber kein Lautsprecher, sondern das so genannte Ringschleifenkabel angeschlossen, das den Zuhörerbereich umschließt. Alle Personen innerhalb der Ringschleife können mit ihren Hörgeräten oder ihrem CI dann die Tonsignale empfangen.

Eine Übersicht, wo sich in deiner Nähe induktive Höranlagen befinden, findest du übrigens auf der Webseite des Österreichischen Schwerhörigenbund. In Österreich sind das mittlerweile über 450 Orte.

hören.at hat mit dem Elektrotechnik-Studenten Werner Hansmann gesprochen, der sich im Zuge seiner Diplomarbeit mit induktiven Höranlagen beschäftigt.

Wie wird durch induktive Höranlagen die soziale Teilhabe gefördert?

„Bisher funktioniert die induktive Sprachübertragung mittels T-Spule, die das elektromagnetische Signal der Induktionsspule empfängt. Das ist nach wie vor die einzige Hersteller-übergreifende, drahtlose Übertragungstechnik für Hörgeräte und Cochlea-Implantate”, sagt Hansmann, “daher ist sie besonders wichtig für die soziale Teilhabe von Menschen mit Hörminderung im öffentlichen Raum. Die T-Spule nimmt durch die geringe Größe nur wenig Platz in einem Hörgerät ein. Sogar in Im-Ohr-Geräten kann man sie einbauen.“

Was ist eine T-Spule und wie wird sie verwendet?

Mittlerweile ist eine sogenannte T-Spule oder Telefonspule in sehr vielen modernen Hörgeräten und Cochlea-Implantaten eingebaut. Diese nimmt das elektromagnetische Wechselfeld der Induktionsschleife auf, das dann vom Hörgerät in Audiosignale umgewandelt wird. Die Spule kann einfach mittels Kippschalter oder mit der Programmwahltaste eingeschaltet werden. Als Folge ist das Sprachsignal so deutlich zu hören, wie es vom Mikrofon vor dem Sprechermund oder dem Instrument aufgenommen wurde. Zusätzlich hat der Benützer die Möglichkeit, mit Hilfe der Lautstärkenregelung die Intensität individuell einzustellen. Es ist jedoch ratsam, das integrierte Mikrofon des Audioprozessors für die Zeitdauer der Nutzung zu deaktivieren.

“Besitzer von Hörgeräten mit Induktionsspule können weitere Audioquellen – etwa eine FM-Anlage, ein Telefon oder einen Fernseher – mittels einer technischen Ergänzung nutzen. Das ist die sogenannte Halsringschleife oder Umhänge-Induktionsschleife”, erklärt Hansmann. “Diese wird um den Hals getragen und wandelt elektrische Sprachsignale in elektromagnetische Spannung um. Halsringschleifen werden über Kabel oder auch drahtlos an die Audioquellen angeschlossen.”

Durch eine integrierte T-Spule im Hörgerät oder im CI können in Kombination mit induktiven Höranlagen Kommunikationsbarrieren verhindert werden. Veranstaltungen wie Konzerte, Theater oder Kinobesuche werden wieder vollständig akustisch wahrnehmbar gemacht. Sogar an Kassen im Theater, im Supermarkt und mittlerweile auch oft an Service-Points der Bahn und auf Flughäfen sind solche Anlagen installiert.

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