Wie putze ich meine Ohren richtig?

Wattestäbchen sind vielseitig einsetzbar. Wo sie allerdings nicht hingehören, ist in die Ohren. Wie kann man diese aber trotzdem sauber machen, ohne sie dabei zu verletzen?

1926 kam das erste Wattestäbchen von Leo Gerstenzang, einem US-amerikanischer Erfinder, auf den Markt. Seitdem hat sich das kleine Hygienewerkzeug in den weltweiten Haushalten verbreitet und findet in vielseitigen Einsatzgebieten Verwendung: zum Abschminken, zur Kleinteilreinigung und am häufigsten zum Säubern der Ohren. Letzteres wird trotz Warnhinweisen auf den Verpackungen, wie „Nicht in den Gehörgang einführen!“, betrieben. Welche Risiken damit verbunden sind, wissen jedoch die wenigsten. „Zwei Dinge sind bei der Reinigung der Ohren mithilfe von Wattestäbchen gefährlich: Zum einen kann man den Gehörgang sowie das Trommelfell verletzen. Zum anderen trocknet der regelmäßige Gebrauch von Wattestäbchen den Gehörgang aus und verändert die Keimflora darin“, erklärt Dr. Angel Lopez, praktizierender HNO-Arzt in Wien. In Folge kann es zu bakteriellen Entzündungen, Ekzemen oder Langzeitschäden am Trommelfell kommen. Außerdem birgt die Verwendung der kleinen Plastikstäben die Gefahr, das Ohrenschmalz immer weiter ins Innere des Gehörganges zu drücken – bis dadurch ein richtiger Pfropf entsteht, der das Ohr verstopft. Wattestäbchen sollte man daher im Ohr auf jeden Fall vermeiden.

Wieso bildet sich eigentlich Ohrenschmalz?

Ohrenschmalz, oder auch Cerumen genannt, gilt allgemein als eklig, unhygienisch und deshalb unerwünscht – kein Wunder also, dass man dieses bräunliche Etwas schnellstmöglich loswerden will. Was dabei allerdings oft vergessen wird, ist, dass seine Existenz einen Grund hat: Ohrenschmalz ist für einen gesunden Gehörgang sehr wichtig. Das Sekret wird in den Gehörgangsdrüsen gebildet und ist für die Aufrechterhaltung des Säureschutzmantels im Innenohr verantwortlich. Damit wird der Gehörgang vor verschiedensten Krankheitserregern geschützt und macht ihn außerdem geschmeidig.

  • Gerade bei den Kleinsten reicht es, die Ohren sanft mit einem Tuch zu reinigen.
  • Das könnte wehtun! Beim Ohrenreinigen sollte auf Wattestäbchen verzichtet werden.
  • Keine Wattestäbchen für die Ohren!

Bei starker Ohrenschmalzbildung sollte man einfach zum Facharzt gehen. Durch Ausspülen, Aussaugen oder das fachgerechte Verwenden eines Häkchens kann der Arzt übermäßiges Ohrenschmalz schnell entfernen.

– Dr. Angel Lopez

Ungefährliche Alternativen für saubere Ohren

Das menschliche Ohr reinigt sich im Normalfall von selbst. Durch kleine Härchen werden abgestorbene Hautzellen, Staub- und Schmutzpartikel in Form von Ohrenschmalz nach außen befördert. Deshalb reicht es für gewöhnlich, die Ohrmuschel mit einem feuchten Tuch sanft zu reinigen. Manchmal produziert der Körper allerdings zu viel des Sekrets. In solchen Fällen gibt es Dr. Lopez zufolge drei effektive Lösungen: „Bei starker Ohrenschmalzbildung sollte man einfach zum Facharzt gehen. Durch Ausspülen, Aussaugen oder das fachgerechte Verwenden eines Häkchens kann der Arzt übermäßiges Ohrenschmalz schnell entfernen.“

Richtiges Reinigen auch bei den Kleinsten

Vom Gebrauch von Wattestäbchen ist besonders bei Kleinkindern abzuraten. Dr. Lopez empfiehlt deshalb ein recht einfaches Mittel: „Kinder produzieren manchmal härteres Ohrenschmalz, das mithilfe von Ölen zuerst aufgeweicht und anschließend mit einem sanften Tuch am Außenohr entfernt wird.“ Dazu eignen sich zum Beispiel Mandel- oder Walnussöle, die aufgrund ihrer Inhaltsstoffe besonders fettlösend und damit sehr effektiv im Aufweichen des Ohrensekrets sind. Außerdem sollte man eine Regel nie vergessen: Kinder sollten niemals selbst ihre Ohren sauber machen, die Verletzungsgefahr ist dabei einfach zu hoch. Stattdessen sollten die kleinen Außenohrbereiche nur von den Eltern vorsichtig gereinigt werden.

Zusammenfassend sollte man also möglichst die Finger vom eigenen Innenohr lassen. Normalerweise reicht die Säuberung der Ohrmuschel mit einem weichen Tuch. Wer sich allerdings ohne Wattestäbchen unsicher fühlt, stattet am besten dem HNO-Arzt seines Vertrauens einen Besuch ab. Der kümmert sich dann um ein sauberes Gefühl im Innen-und Außenohr, fachgerecht und ohne Risiko.