Winter: Die stille Jahreszeit?

Der Winter hat den Ruf als besinnliche und leise Jahreszeit. Täuscht dieser Eindruck nur? Oder sind die kalten Monate tatsächlich die ruhigste Zeit?

Viele Vögel sind in den Süden gezogen und zahlreiche Waldtiere halten Winterruhe oder Winterschlaf. Bei Spaziergängen durch die Natur hört man nur das Knirschen des Schnees unter den Füßen. Der kalte Wind zieht über die Landschaft und es scheint so, als könne man die Kälte beinahe hören. Es wirkt ruhiger als sonst – vor allem, wenn es schneit.

Und tatsächlich ist das auch physikalisch zu erklären. Denn Schnee dämpft Lärm, da er zu 90 Prozent aus Luft besteht. Die Schallwellen können in die Hohlräume eindringen und werden durch die Energieumwandlung in diesen Hohlräumen verschluckt. Die Reflektion des Schalls wird gedämpft und Geräusche damit deutlich leiser wahrgenommen. Anders als beispielsweise im Sommer, wenn Geräusche von Hauswänden und Straßen stärker reflektiert werden und sich vor allem in urbanen Gegenden zu einem permanenten Grundrauschen aufbauschen.

In einer Studie des Fraunhofer Institut aus dem Jahr 2009 wurde die Schallabsorption von Schnee in einem Bereich von 46 bis 90 Prozent gemessen. Töne mit einer Frequenz von 1000 Herz werden dabei vollständig geschluckt. Je höher ein Ton ist, desto stärker dämpft ihn der Schnee – vor allem frischgefallener Schnee.

  • Schischuhe können großen Lärm verursachen.
  • Städte sind deutlich leiser im Winter.
  • Bei schneebedeckten Straßen wird Schall gedämpft.

Die unterschiedliche Wahrnehmung von Tönen im Winter lässt sich aber ebenso mit Hilfe von Psychologie erklären: Eine Untersuchung der Technischen Universität München zeigt, dass Teilnehmer einen vorbeifahrenden Zug in einer Sommerlandschaft lauter wahrnehmen als jenen, der durch eine Winterlandschaft fährt. Das Auge beeinflusst unser Gehör, da das Gehirn abgespeichert hat, dass Schnee die Umgebung leiser macht.

Wenn es im Winter doch laut wird

Von seiner nicht so beschaulichen Seite kann sich der Winter dennoch in vielen Situationen zeigen – besonders in Skigebieten. So verursacht etwa die Produktion von Kunstschnee einen nicht zu unterschätzenden Lärm – besonders in der Nacht, wenn es kalt genug ist, um künstlich Schnee herzustellen. Auch die frühmorgendliche Schneeräumung kann einem durchaus den Schlaf rauben – was extreme Folgen haben kann, wie ein Fall aus Tirol zeigt: Aus Ärger über den Lärm um vier Uhr in der Früh griff ein Mann zu besonders drastischen Mitteln und gab mit einer Luftdruckwaffe mehrere Schüsse ab.

Eine weitere Lärmquelle, an die man vielleicht nicht gleich denkt: Auch das Gehen in Skischuhen kann ordentlich aufs Ohr und Gemüt schlagen. Ischgl verbot letztes Jahr deshalb sogar das Tragen von Skischuhen im Ortszentrum zwischen 20 und 6 Uhr. Dadurch erhoffte man sich mehr Ruhe für die Anwohner.