Zuhören zwischen den Generationen

Dass der Part des Zuhörens in unserer Kommunikation manchmal zu kurz kommt, wissen die meisten aus eigener Erfahrung. Doch wie sieht es mit dem Zuhören zwischen den Generationen aus? Vor welchen Problemen stehen Jung und Alt, wenn einer von beiden unter einer Hörschwäche leidet? Hören.at hat nachgefragt.

„Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“ – wenn diese Redewendung stimmt, ist Zuhören wohl Platin unter den zwischenmenschlichen Kommunikationsformen. Studien belegen, dass aktives Zuhören das Um und Auf in einer stabilen Partnerschaft ist und die Grundlage für eine ausgewogene Gesprächsbasis bildet. Ein aufmerksamer Gesprächspartner ist nicht nur in einer Partnerschaft von großem Vorteil, sondern auch in jeder anderen zwischenmenschlichen Beziehung. Das merkt man vor allem in der Advent- und Weihnachtszeit, wenn die Familie zusammentrifft und miteinander die besinnlichste Zeit des Jahres verbringt.

Doch vor allem in Gesprächen zwischen unterschiedlichen Generationen gibt es genügend Potenzial für Missverständnisse. Um herauszufinden, wie sich Jung und Alt verstehen und welche Rolle das Zuhören dabei spielt, hat sich Hören.at mit zwei Menschen unterhalten, die es wissen müssen: Johannes ist ein 22-jähriger Student, seine Oma Dagmar ist 77 Jahre alt – 55 Jahre liegen also zwischen den beiden.

Der Altersunterschied stellt im Alltag für sie allerdings keine Hürde dar, wie Johannes erzählt: „Natürlich gibt es generationsbezogene Unterschiede und Dinge, über die ich dann nicht mit ihr rede, wie zum Beispiel ein neues Musikalbum, das ich gerade gut finde. Wir haben aber trotzdem eine besondere Bindung, einen sehr guten Draht zueinander.“

Ein Balanceakt

Wie wichtig eine gleichberechtigte Gesprächsbasis auch mit ihrem Enkel ist, sagt auch Dagmar, die sich selbst als gute Zuhörerin einschätzt: „Man muss in jeder Beziehung Zuhören können und nicht immer nur von sich reden.“ Während dem gemeinsamen Gespräch wird schnell klar, dass diese Bemerkung keine einstudierte Floskel ist – die beiden gehen liebevoll miteinander um, keiner redet dem anderen dazwischen, auf das Gehörte wird eingegangen und auf den jeweils anderen Rücksicht genommen.

„Eine gewisse Balance ist in jeder Beziehung sehr wichtig, sonst wird es irgendwann zu einseitig. Man sollte deshalb auch mal zurücktreten können, um für die andere Person ein offenes Ohr zu haben“, meint Johannes dazu.

  • Von einem kontinuierlichen Kontakt zwischen Alt und Jung profitieren beide Generationen.
  • Zwei, die sich verstehen: Johannes und seine Großmutter Dagmar.
  • "Meiner Oma kann ich einfach alles erzählen", sagt Johannes, 22.

Zuhören können trotz Hörschwäche

Dagmar trägt seit knapp zwei Jahren Hörgeräte. Der Weg zum HNO-Arzt war für sie allerdings nicht so einfach. „Ich habe meine Schwerhörigkeit selbst eigentlich gar nicht so richtig bemerkt und lange ignoriert“, erzählt sie im Interview. Erst als der Enkel und ihre Tochter immer wieder darauf gedrängt haben, mit der Oma zu einem Kontrolltermin zu gehen, konnte sie überzeugt werden. „Als ich auf das Drängen meiner Familie hin doch einen Arzt aufgesucht habe, hat er einen Hörverlust von 70 Prozent festgestellt.“ So geht es vielen Betroffenen: Sie selbst bemerken ihre Hörschwäche oft erst spät, während sich in der Familie bereits Ratlosigkeit und Frustration ausgebreitet haben.

Seit Dagmars Arztbesuch trägt sie ihre Hörgeräte täglich, was auch die Kommunikation mit ihrem Enkel nachhaltig verbessert hat, wie er erklärt: „An unserer Gesprächsbasis selbst hat sich nichts verändert, es ist einfach wesentlich angenehmer geworden, wenn man nicht alles drei Mal wiederholen muss.“ Dagmar nimmt die Sache mit Humor und bekräftigt selbst, dass die Kommunikation dank ihrer Hörgeräte „jeden Tag besser läuft“.

Dagmar und Johannes wirken wie in einer Bilderbuchbeziehung zwischen Großmutter und Enkel, vorbildlich für Alt und Jung. „Meiner Oma kann ich einfach alles erzählen. Und dafür kann ich mich wirklich glücklich schätzen, denn nicht jeder hat mit seinen Großeltern eine so enge Bindung.“